Ihr Name lässt auf eine französische Herkunft schließen, tatsächlich stammt sie jedoch aus dem Bottwartal und ist in Schwaben verwurzelt. Felicitas Renard ist aber mit einem Franzosen verheiratet und lebt jetzt in Tübingen. Zuvor war sie Pfarrerin in Backnang.
In ihrer Jugend hatte Felicitas Renard kaum Gelegenheit zu reisen. Den Zugang zur Welt fand sie dennoch – über die Literatur. Besonders die Werke von Khaled Hosseini und Chimamanda Ngozi Adichie beeinflussten ihr Denken nachhaltig. Beide verbinden gesellschaftliche Analyse mit einem sensiblen Blick für kulturelle Eigenständigkeit und Würde – eine Perspektive, die auch ihr eigenes Handeln prägt.
Fragen sozialer Teilhabe und Gerechtigkeit begleiten ihren Lebensweg seit früher Kindheit. „So war das Studium der Theologie für mich eine bewusste Entscheidung, um mich vertieft mit dem Verhältnis von Glaube, Gesellschaft und Politik auseinanderzusetzen“, erklärt Felicitas Renard. Internationale Erfahrungen sammelte sie dabei auf Studienreisen nach Tansania und Kenia, während eines mehrmonatigen Aufenthalts in Südafrika sowie in einem Praktikum beim Lutherischen Weltbund in Genf. Diese Stationen stärkten ihr Verständnis für globale Zusammenhänge und historische Verantwortung.
Inhaltlich gewannen für Felicitas Renard besonders drei Aspekte an Bedeutung, die für sie bis heute entscheidend sind: Erstens das Zulassen vielfältiger, theologischer Perspektiven, die auf den Erfahrungen und Lebensumständen der jeweiligen Menschen beruhen. Zweitens die Theologie Karl Barths und seine Frage, wozu es Kirche braucht. „Er war kritisch gegenüber kirchlichem Machtanspruch und vertrat die Meinung, dass sich Christinnen und Christen immer in die Politik einmischen müssten“, erklärt Renard. Und drittens das Bewusstsein für die Verflechtung von Missions- und Kolonialgeschichte, aus der sich für sie eine bleibende Verpflichtung zur kritischen Reflexion ableitet. Nach dem Studium absolvierte Felicitas Renard ihr Vikariat in Schwäbisch Hall und trat anschließend ihre erste Pfarrstelle in Backnang an. Die seelsorgerische Begleitung von Menschen in zentralen Lebenssituationen prägte ihr berufliches Selbstverständnis nachhaltig.
Trotz der Erfüllung, die sie im Beruf als Pfarrerin gefunden hatte, blieb der Wunsch, in internationalen Zusammenhängen zu arbeiten und die Verantwortung als Christin zu übernehmen, sich weltweit für Gerechtigkeit einzusetzen. In der Arbeit von Difäm Weltweit fand sie dieses Verständnis wieder. Besonders der Ansatz der Selbstermächtigung von Partnerorganisationen entspricht ihrer Haltung zu nachhaltiger Zusammenarbeit. Zugleich ist es ihr ein Anliegen, die christliche Identität von Difäm Weltweit nach außen und innen deutlich sichtbar zu halten: „Das Engagement für die Verbesserung der Gesundheitsversorgung in wirtschaftlich benachteiligten Ländern nehme ich als Ausdruck gelebten Glaubens wahr“, sagt sie. Bewusst knüpft sie dabei an das berühmte Zitat von Difäm-Gründer Paul Lechler an: „Unser Christentum darf nicht bloß Weltanschauung sein, sondern es muss sich durch die Tat bewähren.“
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