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Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit

Kampf gegen die Schatten-Epidemie

Egal ob in Deutschland oder in Afrika: psychische Krankheiten wie Verhaltensstörungen, Depressionen und Angststörungen, aber auch neurologische Krankheiten wie Epilepsie oder Demenzerkrankungen nehmen weltweit zu. Überall sind Betroffene und ihre Angehörigen besonderen Belastungen ausgesetzt: Die Erkrankungen sind nach wie vor tabuisiert und die Betroffenen werden stigmatisiert. Dabei gibt es in vielen Ländern des globalen Südens keine Behandlungsmöglichkeiten, weil es kaum ausgebildete Fachkräfte, Medikamente oder Therapieangebote gibt.

Während in Deutschland etwa 15 Psychiaterinnen und Psychiater für 100.000 Menschen zur Verfügung stehen, gibt es in Malawi für 18 Millionen Menschen zwei registrierte Psychiater und zwei Psychologen. In Indien gibt es zwar mehr, meist niedergelassene Psychiater, doch die meisten psychisch Kranken können sich die teuren privaten Anbieter nicht leisten. Bei Frauen werden psychische Störungen meist ignoriert, viele werden von ihren Familien versteckt.

Psychische und neurologische Erkrankungen erfordern eine langfristige, medizinische und fachlich kompetente Behandlung. Doch psychische Gesundheit wird in vielen Ländern des Südens nicht als Priorität eingestuft. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erhalten mehr als 90 Prozent der Patientinnen und Patienten im südlichen Afrika bisher keine ausreichende Versorgung. Deshalb engagiert sich Difäm Weltweit gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen für einen offeneren Umgang mit psychischen Erkrankungen, eine Enttabuisierung und für den besseren Zugang zu therapeutischer oder medikamentöser Behandlung.

Ursachen psychischer Erkrankungen

Die Ursachen für psychische Erkrankungen in ärmeren Ländern sind vielfältig. Der Satz „Armut macht krank und Krankheit macht arm“ trifft auch für psychische Krankheiten zu. So kann das Ausbleiben einer Ernte eine Depression auslösen oder zu krankhaftem Alkoholkonsum führen. Und wer psychisch krank ist, kann weniger arbeiten und gerät schnell in einen Kreislauf von Armut und Krankheit.

Auch Belastungen durch Kriege, Flucht, Naturkatastrophen oder Gewalt gegen Frauen sowie körperliche, vor allem chronische Erkrankungen können sich auf die psychische Gesundheit negativ auswirken. So leiden viele Menschen, die mit HIV leben, an depressiven Störungen. Ebola wiederum traf Menschen, die bereits durch Bürgerkriege traumatisiert waren. Viele Menschen, die eine Ebola-Erkrankung überlebt haben, zeigen typische Zeichen einer posttraumatischen Belastungsstörung. Auch die Auflösung familiärer Strukturen, der Missbrauch von Alkohol und Drogen, ungesunde Lebensstile und Stress am Arbeitsplatz machen nicht Halt vor den Ländern des Südens.

Gerade in ländlichen Regionen und bildungsfernen Lebenslagen werden Dämonen und die Bestrafung durch Gott als Ursachen für psychische Erkrankungen genannt. Dementsprechend werden psychisch Kranke und oft auch ihre Angehörigen stigmatisiert und diskriminiert. Sie haben weniger Chancen auf Bildung und Arbeit. Ihre Benachteiligung kann bis hin zu Menschenrechtsverletzungen gehen. Lange herrschte zudem die Überzeugung, psychische Erkrankungen könne man nicht behandeln oder heilen. Betroffene suchen deshalb auch immer wieder bei traditionellen Heilern Hilfe, mit zum Teil fatalen Folgen. Auch heute noch kommt es immer wieder vor, dass Menschen mit Psychosen von ihren Familien versteckt werden oder irgendwo außerhalb ihres Dorfes eingesperrt oder angekettet werden.

Dies macht umso deutlicher, wie drängend die Verbesserungen in Aufklärung und Prävention sowie der Behandlungsmöglichkeiten bei psychischen Erkrankungen ist.