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Die Hoffnung lebt

„Wir geben die Hoffnung niemals auf,“ sagt Pierre Mano, Krankenpfleger und Leiter von Tin-Naabi, unserer Partnerorganisation in der Stadt Piéla in Burkina Faso. Die Realität in einem der ärmsten Länder der Welt ist erschütternd. Bewaffnete dschihadistische Gruppen plündern und zerstören Dörfer. Familien verlieren über Nacht ihr Zuhause, ihre Felder, ihre Lebensgrundlage – oft ihre Angehörigen. Den Menschen bleibt nur die Flucht.
zwei junge Frauen, die stolz ihre geernteten Maiskolben zeigen

Als die Schüsse fielen, war es noch dunkel. Awa erinnert sich an den Geruch von Rauch, an das panische Kreischen der Hühner und an das Zittern ihrer jüngsten Tochter, die sie fest an sich drückte. Ihr Dorf im Osten von Burkina Faso war klein, die meisten Familien lebten von dem, was ihre Felder hergaben. Awa baute Hirse und Okra an, hielt ein paar Hühner. Es war kein leichtes Leben – aber es war ihres. 

Flucht in die Nacht

Dann kamen die bewaffneten Männer. „Wir hatten keine Zeit, etwas mitzunehmen“, sagt sie leise. „Nur die Kinder.“ Mit ihrem Mann Ismael und den drei Kindern – dem achtjährigen Adama, dem fünfjährigen Issa und der kleinen Malika, die erst ein Jahr alt ist – floh sie in die Nacht. Sie liefen, bis ihre Füße wund waren, versteckten sich im Busch, hörten in der Ferne weitere Schüsse. Awa hatte nur einen Gedanken: Die Kinder müssen leben. 

Nach Tagen der Flucht erreichten sie Piéla, eine Stadt, die vielen Vertriebenen Zuflucht bietet. Das Flüchtlingslager am Rand der Stadt ist überfüllt. Zelte aus Planen und notdürftig errichtete Hütten stehen dicht an dicht. Es gibt kaum sauberes Wasser, nur wenig Nahrungsmittel. „Am schwersten ist es, wenn die Kinder sagen, dass sie hungrig sind“, sagt Awa, „und ich nichts habe.“ 

Das Leben selbst in die Hand nehmen

Tin-Naabi, die Partnerorganisation von Difäm Weltweit, hilft den vielen Geflüchteten in Piéla mit einem landwirtschaftlichen Projekt. Auf einem Stück Land außerhalb des Camps können die Menschen Gemüse anbauen – Mais, Hirse, Sesam, Bohnen, Erdnüsse, Tomaten, Kohl, Zwiebeln, Salat. Sie erhalten Saatgut, einfache Werkzeuge, auch Schulungen zu Bewässerung und Tierhaltung. Awa kümmert sich inzwischen auch um Hühner und zwei Ziegen. 

Jeden Morgen geht sie mit anderen Bewohnerinnen und Bewohnern des Camps zu den kleinen Parzellen. Sie hacken die Erde, gießen vorsichtig die jungen Pflanzen und kontrollieren den Stall. Ihre Hände sind rau, ihre Bewegungen entschlossen. Hier sind sie nicht nur Vertriebene – hier sind sie Bäuerinnen, Versorger, Mütter und Väter mit einem Plan. 

Das Projekt deckt nicht alle Bedürfnisse. Wasser bleibt knapp, Nahrung unsicher, die Zukunft ungewiss. Doch Awa weiß jetzt, dass sie nicht nur auf Hilfe warten muss. Sie kann selbst etwas aufbauen. „Ich möchte, dass meine Kinder wieder zur Schule gehen“, sagt sie. „Ich möchte, dass sie keine Angst mehr haben.“ Awa, Ismael und ihre Kinder haben ihr Zuhause verloren, aber nicht ihren Mut.

Tin-Naabi – ein verlässlicher Partner für Vertriebene

Tin-Naabi ist eine tief in der Region verwurzelte gemeindebasierte Organisation, die seit 2011 in Piéla tätig ist und dort Programme in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Bildung und landwirtschaftliche Entwicklung umsetzt. Dabei wird stets ein partizipativer und gemeindenaher Ansatz verfolgt. Wenn die Tiere Junge bekommen, werden diese an andere Familien weitergegeben, damit möglichst viele profitieren. Mehr als 1.200 Menschen werden es am Ende sein. Der Bau von Wasserstellen für die Bewässerung der Gärten und Trinkwassertanks in den Camps stellt die Wasserversorgung sicher. Durch die Einrichtung einer Gemeinschaftsküche können die Menschen im Camp die angebauten Lebensmittel zubereiten. 

In Piéla, zwischen staubigen Wegen und provisorischen Zelten, wächst in kleinen Beeten nicht nur Gemüse. Es wächst Hoffnung. Um das Projekt weiter ausbauen zu können und mehr Menschen eine eigenständige Versorgung zu ermöglichen, benötigen wir Ihre Mithilfe.

Viele suchen Schutz in der Stadt Piéla. Seit 2024 hat sich dort die Einwohnerzahl fast verdreifacht. „Viele kommen hier an mit nichts, als dem, was sie am Leib tragen“, berichtet Pierre Mano. „Sie werden überwiegend in Zeltstädten untergebracht, wo es an Nahrungsmitteln und Wasser fehlt.“ 

Die ohnehin angespannte Ernährungssituation im Land wird durch die katastrophale Sicherheitslage dramatisch verschärft. Hunger, Unsicherheit und Perspektivlosigkeit bestimmen den Alltag vieler Familien.

Doch es gibt Hoffnung: Pierre Mano und sein Team von Tin-Naabi versorgen mit Unterstützung von Difäm Weltweit hunderte Geflüchtete mit dem Nötigsten und geben ihnen eine Perspektive: Unterstützung beim Anbau von Lebensmitteln, sauberes Wasser, medizinische Hilfe und menschliche Zuwendung. Sie hören zu, trösten, behandeln und leisten Hilfe zur Selbsthilfe.

PS: Burkina Faso bedeutet „Heimat der Aufrichtigen“. Ihre Spende gibt vielen aufrichtigen Menschen im Land Hoffnung und Perspektive.

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