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Geschichte des Difäm

Vom Pionier zum Partner

Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e.V. mit Sitz in Tübingen wurde am 15. November 1906 von Paul Lechler gegründet. Ziel war es, das ausreisende Personal der Missionsgesellschaften auf ihren Auslandsaufenthalt vorzubereiten und in Tropenmedizin auszubilden. 

Paul Lechler (1849-1925)

Paul Lechler war ein außergewöhnlicher und vielseitiger Mensch: Als begabter erfolgreicher Unternehmer und als überzeugter Christ war er in verschiedenen Bereichen sozial engagiert und brachte durch seine Wohltätigkeit vieles in Bewegung. Er schrieb: „Unser Christentum darf nicht bloß Weltanschauung sein, sondern es muss sich durch die Tat bewähren.“

Paul Lechler wurde 1849 in Böblingen geboren. Als junger Mann war er bereits ein erfahrener Unternehmer, der die Lackfabrik seines Vaters zu einem gewinnbringenden Unternehmen in Stuttgart-Feuerbach ausweitete. Eine glänzende Karriere und ein Leben in materiellem Wohlstand schienen gesichert. Doch die Arbeit eines Firmenleiters allein stellte Paul Lechler nicht zufrieden. Deutlich erkannte er die soziale Wirklichkeit der Fabrikarbeiter, die meist in Armut lebten. Es gab keine Arbeitsämter, keine Sozialversicherung, und wenn der Ernährer einer Familie krank wurde, bedeutete das oft große Not für die ganze Familie. Lechler spürte, dass seine Begabungen und sein Erfolg für ihn zugleich Gabe und Aufgabe waren und wollte bewusst soziale Verantwortung wahrnehmen.

Mit 26 Jahren beschloss Paul Lechler, zehn Prozent des jährlichen Gewinns seiner Firma für kirchliche und soziale Zwecke zu bereitzustellen. Im Alter von 28 Jahren überließ er das Unternehmen den leitenden Angestellten, um sich zunehmend sozialen Aufgaben zu widmen. In der Folgezeit war Lechler ehrenamtlich in der Stuttgarter Armenpflege tätig, baute aber nach einem Jahr erneut eine Fabrik auf, in der er Schmieröle sowie ein Holzschutzmittel vertrieb. 1882 rief er die erste private Arbeitsvermittlung in Stuttgart ins Leben, die er elf Jahre lang leitete und finanzierte.

Auf dem Weg zur Gründung (1898-1906)

Die Ziele und die Arbeit der Ärztlichen Mission hatte Paul Lechler schon seit einiger Zeit mit Interesse verfolgt, als er 1898 den Missionsarzt der Basler Mission, Dr. Georg-Eugen Liebendörfer, traf. Beeindruckt von dessen Erzählungen über das Elend und die Krankheitsnot in Indien und die Möglichkeiten, die Ärzte in der Mission hätten, beschloss er, tatkräftig zu helfen. Er gründete Ende des Jahres 1898 in Stuttgart einen Verein für Ärztliche Mission als Hilfsverein für die Basler Missionsgesellschaft. In der Folgezeit wurde immer wieder diskutiert, ob es nicht – nach englischem Vorbild – sinnvoll und nötig sei, ein „Deutsches Institut für Ärztliche Mission“ ins Leben zu rufen. Paul Lechler verfolgte diese Idee konsequent weiter und dank seiner vielfältigen Beziehungen und mit seiner finanziellen Unterstützung konnte das Institut 1906 ins Leben gerufen werden.

Missionare, Menschen, Mediziner

Neben der Ausbildung von Missionsärzten, später auch Ärztinnen, kam dem Difäm auch in der Schulung von Krankenschwestern, der Behandlung von kranken zurückgekehrten Missionaren und nicht zuletzt der Entwicklung der Tropenmedizin in Deutschland eine wichtige Bedeutung zu. Mit der Zeit stieg die Anzahl der ausreisenden evangelischen Ärztinnen und Ärzte langsam an. Bedingt durch die Weltkriege gab es aber immer wieder Unterbrechungen des deutschen Engagements.

Vom Pionier zum Partner - Die Rolle medizinischer Fachkräfte im Wandel

Nach der Unabhängigkeit vieler Länder wurde klar, dass ein westliches Medizinverständnis den Menschen vor Ort nicht gerecht wird und nicht einfach exportiert werden kann. Basisgesundheitsprogramme wurden entwickelt, die Solidarität, Partizipation, soziale Gerechtigkeit, Prävention und angepasste medizinische Versorgung  in den Mittelpunkt stellten. Universitäten und Ausbildungsstätten entstanden und einheimisches Personal übernahm immer mehr Verantwortung.

Mit der Unabhängigkeit wurden die meisten Missionskrankenhäuser entweder von den neuen Regierungen übernommen oder sie gingen in die Trägerschaft einheimischer Kirchen über. Noch heute werden bis zu 70 Prozent des Gesundheitswesens in Afrika von Kirchen getragen. Außerdem sind kirchliche Krankenpflegeschulen, Hochschulen und Universitäten in der Ausbildung sehr wichtig.

Die Rolle der Mitarbeitenden im Gesundheitssektor, die aus Europa, Nordamerika oder Australien nach Afrika kommen, hat sich grundlegend geändert. Statt Pionieren sind heute Fachleute gefragt, die den einheimischen Mitarbeitenden zuarbeiten, sie weiterbilden und dort, wo es keine Ärzte gibt, auch die medizinische Versorgung übernehmen – das alles möglichst unter einheimischer Leitung. Partnerinnen und Partner sind gefragt, die zuhören können, die andere Kultur verstehen und respektieren und ihre Expertise einbringen, um das Anliegen der Menschen vor Ort voranzubringen.

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