Langfristige Stärkung des Gesundheitssysteme

Nach der Ebola-Epidemie in Westafrika muss nun, neben der psychosozialen Betreuung der Überlebenden und Ebola-Waisen, die Gesundheitsversorgung wieder aufgebaut und langfristig gestärkt werden. Gemeinsam mit lokalen Partnern versucht das Difäm Krankenhäuser wieder aufzubauen, um weitere Epidemien zu verhindern, und Vertrauen in die Gesundheitseinrichtungen wieder herzustellen.

Wiederaufbau der Gesundheitsversorgung

Vertrauensbildende Maßnahmen schaffen

Aufgrund schwacher Gesundheitssysteme und der Folgen der Bürgerkriege konnte sich in Guinea, Liberia und Sierra Leone das Ebola-Virus im Jahr 2014 sehr stark ausbreiten. Fast 12.000 Menschen starben an der Infektion, darunter viele Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Während und nach der Epidemie starben zudem viele Menschen an behandelbaren Krankheiten, weil sie keine medizinische Versorgung mehr bekommen konnten.

Für viele Betroffene war die Ebola-Erkrankung und die völlige Isolierung während...

Aufgrund schwacher Gesundheitssysteme und der Folgen der Bürgerkriege konnte sich in Guinea, Liberia und Sierra Leone das Ebola-Virus im Jahr 2014 sehr stark ausbreiten. Fast 12.000 Menschen starben an der Infektion, darunter viele Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Während und nach der Epidemie starben zudem viele Menschen an behandelbaren Krankheiten, weil sie keine medizinische Versorgung mehr bekommen konnten.

Für viele Betroffene war die Ebola-Erkrankung und die völlige Isolierung während der Epidemie eine traumatische Erfahrung. Daneben haben viele ihre Angehörigen verloren; oft auch ihr ganzes Hab und Gut, weil aus Angst vor Ansteckung alles verbrannt wurde. So hat Ebola auch zu einer finanziellen Katastrophe geführt.

Noch immer werden Überlebende in den Dörfern mit Misstrauen betrachtet. Für viele ist der Weg zurück in die Gemeinschaft schwer. Besonders belastet sind die Mitarbeitenden in den Gesundheitseinrichtungen. Sie haben Angst, wieder dort zu arbeiten. Aber gerade jetzt sind die Länder auf funktionierende Gesundheitswesen angewiesen, damit die medizinische Versorgung weitergehen kann.

Das Difäm unterstützt deshalb die psychosoziale Betreuung von Betroffenen. Auch das Vertrauen zwischen der Bevölkerung und den Gesundheitsdiensten wird in den Ländern durch entsprechende Maßnahmen gestärkt.

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Stärkung lokaler Gesundheitssysteme

In Liberia muss ein Arzt durchschnittlich 70.000 Menschen versorgen, in Deutschland sind es nur 260. An vielen Orten bleiben Menschen ohne medizinische Versorgung: weil es nicht genügend ausgebildetes Personal gibt, Wege zu weit sind, die Behandlung...

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Hier finden Sie einen Blog von Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider über ihre Reisen nach Sierra Leone und Liberia und Erfahrungen im Assessment in den Krankenhäusern vor Ort.

Lehren aus der Ebola-Epidemie

Forderungen für globales und kollektives Handeln

Nach der Ebola-Epidemie haben Vertreterinnen und Vertreter von EU, UN, der WHO, großer Nichtregierungsorganisationen zusammen mit den Regierungschefs der betroffenen Länder in Brüssel eine Bestandsaufnahme zu Ebola gemacht. Konkrete Forderungen wurden formuliert.

Globales und kollektives Handeln

Die größte Ebola-Epidemie aller Zeiten hat 24.000 Menschen infiziert und bisher 9.711 das Leben gekostet, darunter fast 500 Mitarbeitende im Gesundheitswesen. Viel ist über die Ursachen für dieses Ausmaß geschrieben worden, wie Armut, Mobilität, fragile Staaten, sehr schwache Gesundheitssysteme und vieles andere mehr. Auch darüber, dass EU, UN und alle Staaten des Nordens erst auf Ebola reagiert haben, als ihre eigenen Länder betroffen waren. Erst als ein Priester, nach Spanien evakuiert wurde und ein Arzt und eine Krankenschwester in die USA ausgeflogen wurden, war allen plötzlich klar: Wir können diese Katastrophe nicht länger ignorieren. Es braucht ein globales und kollektives Handeln.

Wenn politischer Wille da ist...

Die dann angelaufene Hilfsaktion hat aber gezeigt, was möglich ist, wenn politischer Wille da ist und Ressourcen mobilisiert werden. Dabei kam die Hilfe keineswegs nur aus Europa und Amerika. Auch andere afrikanische Länder, Indien, China, Kuba und vielen anderen Staaten beteiligten sich. Nun ist es um Ebola aber ruhig geworden. Die Gefahr besteht, dass Staaten und Kirchen sich anderen Prioritäten zuwenden und diese nach wie vor hoch vulnerablen Länder vergessen. Die Gesundheitssysteme müssen wieder aufgebaut werden. Dabei sollten die Menschen in den Dörfern und Gemeinden einbezogen werden. Nur so kann ein umfassendes und nahhaltiges Gesundheitssystem entstehen.

Wir fordern...

Als Difäm wollen wir unseren kirchlichen Partnern vor Ort auch jetzt in der Aufbauphase zur Seite stehen. Doch auch die internationale Gemeinschaft, die betroffenen Staaten und die Kirchen müssen Verantwortung übernehmen und ihren Beitrag leisten. Zusammen mit der Zivilgesellschaft fordern wir daher:

  • Die Internationale Gemeinschaft und Länder wie Deutschland müssen ihrer Verantwortung gerecht werden. Das seit Jahren gesteckte Ziel 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für Entwicklung und 0,1 Prozent für Gesundheit einzusetzen wird bei weitem noch nicht erreicht.
  • Die betroffenen Länder müssen jetzt in der humanitären Hilfe weiterhin unterstützt werden, bis die Region tatsächlich als frei von Ebola erklärt werden kann.
  • Die betroffenen Länder müssen befähigt werden, nachhaltige Gesundheitssysteme aufzubauen und in Entwicklung zu investieren, die lokal verankert und verantwortet wird.
  • Forschung und Entwicklung von Impfstoffen, Medikamenten und Diagnostika müssen fortgesetzt und in der betroffenen Region zu erschwinglichen Preisen zur Verfügung gestellt werden.
  • Die Regierungen der Länder müssen beim Aufbau gerechter und transparenter Steuersysteme unterstützt werden, so dass mit den Steuereinnahmen das Gesundheitssystem nachhaltig finanziert werden kann.
  • Die Regierungen in den betroffenen Ländern brauchen ein System der „good governance“, damit sie über reguläre Steuereinnahmen ihrem 2001 in Abuja unterschriebenen Ziel nachkommen, 15 Prozent des Bruttosozialprodukts in Gesundheit zu investieren.
  • Der Beitrag kirchlicher Einrichtungen zur öffentlichen Gesundheitsversorgung muss stärker wahrgenommen, gefördert und unterstützt werden.
  • Die Kirchen vor Ort müssen ihrem Auftrag, heilend tätig zu sein, nachkommen, damit wieder ein Klima des Vertrauens unter den Menschen entsteht.
  • Kirchliche Entwicklungsorganisationen wie Brot für die Welt - Evangelischer Entwicklungsdienst oder Misereor müssen den Aufbau von Gesundheitssystemen in den betroffenen Ländern fördern und mit in die Prioritätenliste ihrer Aufgaben aufnehmen.
  • Die Menschen vor Ort müssen befähigt werden, diesen Prozess des Wiederaufbaus aktiv zu gestalten.

Brief an die Welt von Ellen Johnson Sirleaf, Präsidentin von Liberia

Die Präsidentin von Liberia, Ellen Johnson Sirleaf, hat nach der Ebola-Krise in ihrem Land einen Brief an die Weltgemeinschaft geschrieben. In dem Brief ruft sie die internationale Gemeinschaft auf, von dieser Tragödie zu lernen und so zusammenzuarbeiten, dass sich eine solche Katastrophe nie mehr wiederholt.

 

Liebe Welt,

mit großer Erleichterung und Dankbarkeit erhalten wir heute die offizielle Erklärung der Weltgesundheitsorganisation, dass Liberia frei von Ebola ist. Für ein Land und eine Bevölkerung, die durch diese gemeine Erkrankung so stark  traumatisiert wurde, ist diese Erklärung ein wichtiger Moment. Seit einigen Monaten waren wir verhalten optimistisch, dass dieser Moment kommen würde. Nun zeigt sich, dass unsere Hoffnung begründet war.

Aber auch jetzt, nach dieser guten Nachricht, müssen wir wachsam bleiben. Durch unsere verbesserten Überwachungsmöglichkeiten und Warnsysteme in den Gemeinde haben wir die Möglichkeit geschaffen, nun schnell mit eventuell auftretenden neuen Fällen umgehen zu können. Und wir sind zuversichtlich, dass unsere Freunde in Sierra Leone und Guinea ihre Länder bald auch von dieser Seuche befreit haben werden. Wir teilen ihren Kummer und wissen, dass wir als Nachbarn gemeinsam Wiederaufbau leisten müssen.

Aber, auch wenn wir jetzt nach vorne schauen, dürfen wir nie vergessen, was wir erlebt haben. Im vergangenen Jahr haben unser Land und das Manu-River-Union- Gebiet ein dunkles Kapitel ihrer Geschichte durchleben müssen. Was als einzelner Ebolafall in einem Waldgebiet in Guinea begann, wurde bald zu einem bis dahin nicht da gewesenen Ausbruch der Infektion, die bald unsere drei Länder im Würgegriff hatte.

Dieser Ausbruch von Ebola wurde zum tödlichsten seit der Entdeckung des Virus im Jahre 1976. Für Liberia, das erst zehn Jahre zuvor einen zerstörerischen Bürgerkrieg beendet hatte, bedeutete die sich rasch ausbreitende Ebola- Epidemie einen vernichtenden Schlag für die wieder erwachenden Hoffnungen einer Nation, die sich auf einen neuen Weg zu Frieden und Wohlstand aufgemacht hatte.

Die Bilder überfüllter Behandlungszentren in Monrovia, geschlossener Schulen und Grenzen und Flugzeuge, die am Boden bleiben mussten, werden lange in Erinnerung bleiben.

Die Ereignisse des vergangenen Jahres dürfen niemals vergessen werden. In diesem wichtigen Moment bitte ich die ganze Welt, an die 4608 Liberianer zu denken, die ihr Leben verloren haben und an die vielen Tausenden, die den Horror, gegen diese Krankheit kämpfen zu müssen, erlebt haben.

Jeder Todesfall erzählt eine tragische Geschichte: eine Mutter, die in ihren letzten Momenten nicht mit ihren Kindern zusammen sein konnte. Kinder, die zuschauen müssen, wie Verwandte aus dem Haus getragen und auf Lastwägen gelegt werden, um nie wieder zurück zu kommen. Die Würde einer Beerdigung, wie die Menschen sie kennen, und eine letztes Lebewohl wurden ihnen allzu oft verwehrt.

Junge Liberianer, die nur Monate zuvor zuversichtlich zur Schule gingen und davon träumten Ingenieur, Lehrer oder Arzt zu werden, alles Berufe, die Liberia dringen braucht, verloren gnadenlos ihr Leben. In ganz Westafrika wurden Familien auseinandergerissen und Waisen waren auf sich gestellt. Ganze Gemeinden werden nie mehr so sein wie zuvor.

Wir haben gute Menschen verloren, mutige, schwer arbeitende und anständige Menschen, von denen viele nur helfen wollten: einem Familienmitglied, einem Freund, einem Nachbarn. Ob sie nun Bauern, Händler, Lehrer, Studenten oder Gesundheitsarbeiter waren, jedes dieser Leben war wertvoll und jeder Verlust ist eine Tragödie. Als Mitglied der globalen Gemeinschaft bitten wir, sie nie zu vergessen.

Trotz dieser dunklen Zeiten gab es viele Zeugnisse von Menschlichkeit und Mut in der Krise. Deshalb danken wir den Freiwilligen vor Ort, die ihre Leben riskiert haben, um anderen zu helfen, auch dann als Schutzmaterial  knapp wurde. 192 Gesundheitsarbeiter haben im vergangenen Jahr ihr Leben dabei gelassen. Diese Menschen sind Helden.

Wir danken den örtlichen Beerdigungsteams, den  Ambulanzfahreren und den internationalen Organisationen, die alle unermüdlich gearbeitet haben und dabei unter beispiellosem Druck und Beobachtung standen.

Unseren internationalen Partnern und Spendern sage ich, ihre Hilfe hat dazu beigetragen, Leben zu retten und diese Katastrophe zu beenden. Das war wahrhaftig eine gemeinsame Anstrengung auf allen Ebenen, von den Freiwilligen vor Ort bis hin zu unseren Partnern im Ausland. Der Kampf gegen Ebola kam langsam ins Rollen.  Aber es zeigte sich, dass wir als Gemeinschaft fähig sind, unsere Anstrengungen zu bündeln, wenn wir aufgerufen sind, Leid, wo immer es existiert, zu beenden.

Nun liegt es an den Verantwortlichen in Politik und allen Bereichen der Zivilgesellschaft, in Afrika sowie im Ausland, von dieser Tragödie zu lernen und so zusammenzuarbeiten, dass sich eine solche Katastrophe nie mehr wiederholt.

Unsere Gesundheitssysteme waren einfach nicht stark genug, um mit einem Problem dieses Ausmaßes fertig zu werden. Deshalb müssen wir nun unermüdlich daran arbeiten, diese zu verbessern. Das ist die Langzeittherapie von Ebola! Wir schulden es der kommenden Generation in allen  Entwicklungsländern, Gesundheitssysteme aufzubauen, welche Menschen nicht leiden oder auf der Straße sterben lassen.

Wir haben in Liberia in den vergangenen zehn Jahren wirklich Fortschritte gemacht. Aber es hat nicht ausgereicht, und wir müssen noch mehr tun. Das bedeutet: gut ausgestattete Krankenhäuser, gut ausgebildete Ärzte und Pflegepersonal, und Straßen, die gut genug sind, um die Menschen mit dem Notwendigen zu versorgen

Wir schauen hoffnungsvoll nach vorn und reflektieren, was wir erlebt haben. Dieser Ebola-Ausbruch ist eine Narbe auf dem Gewissen der Welt. Für Einige wird es eine Generation lang dauern, bis Schmerz und Trauer geheilt sind.

Lasst uns eine bessere Welt bauen für diejenigen, die Ebola nicht erreicht hat; eine Welt, in der Menschen in Würde und Gesundheit leben können. Es ist das Geringste, was wir dem  Andenken an unsere Liebsten schuldig sind.

Herzlichst,
Ihre Ellen Johnson Sirleaf

Das geschah in unserer Ebola-Nothilfe

Audiobeitrag zur Ebola-Hilfe - Dr. Gisela Schneider im Gespräch

Ein Interview mit Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider zur Hilfe in Liberia, Sierra Leone und Guinea. Quelle: Diakonie Katastrophenhilfe. 7:38 min | 17.12.2014


Gesundheitsarbeit in den Dörfern stärken - Reisebericht von Gisela Schneider

Handwaschvorrichtung an der Straße
Handwaschvorrichtung an der Straße

Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider hat in Liberia kirchliche Krankenhäuser beraten: "Es gibt noch eine Chance, Ebola zu besiegen, wenn neben den Behandlungszentren auch die Dorfgesundheitsarbeit mit ins Boot geholt wird und lokale Krankenhäuser gestärkt werden."

Wie haben Sie die Situation in Liberia erlebt?
Im ganzen Land schütteln sich die Menschen nicht mehr die Hände. Jeder wäscht sich alle fünf Minuten die Hände. An Straßensperren werden die Leute kontrolliert. Wer Fieber hat, darf nicht weiter. Alle Behandlungszentren für Ebola sind in Liberia voll. Sie leisten hervorragende Arbeit, können aber nur noch Patienten aufnehmen, wenn andere sterben oder geheilt entlassen werden. In Liberia sind 14 der 15 Bezirke von Ebola betroffen. Das große Problem ist, dass das Virus jetzt auch in der Millionenmetropole Monrovia außer Kontrolle ist. Eine Ebola-Epidemie im urbanen Raum hat es noch nie gegeben.

Sie haben auf Ihrer Reise sechs Kliniken besucht. Zu welchen Schlüssen sind Sie gekommen?
Fünf von sechs Kliniken trugen ein hohes Infektionsrisiko, weil sie keine Struktur hatten, die ankommende Patienten und ihre Angehörigen noch vor Betreten des Krankenhauses auf Ebola zu untersuchen. Zwei Krankenhäuser haben deswegen bereits zwölf Mitarbeitende verloren. Die verbleibenden Pflegekräfte und Ärzte sind sehr besorgt. Daher war der Besuch sehr wichtig. Wir konnten die Mitarbeitenden darin unterstützen, das Krankenhaus so zu organisieren, dass sie geschützt arbeiten können. Dazu müssen wir sie auch mit dem notwendigen Schutzmaterial ausstatten. Nur so kann die normale Arbeit in dem Krankenhaus weitergehen. Malaria und Durchfallerkrankungen gibt es ja nach wie vor und Frauen müssen weiterhin ihre Kinder sicher auf die Welt bringen können. Die Partner waren sehr dankbar, für diese Unterstützung und gemeinsam haben wir den Slogan entwickelt: „keep safe – keep serving“ – sicher weitermachen!

Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem, was Sie gesehen haben?
Wenn wir sehr schnell handeln, haben wir noch eine Chance. Die Epidemie kann nicht alleine von den Behandlungszentren aus gestoppt werden. Dort werden Ebola-Patienten fachgerecht behandelt. Aber es gibt noch sehr viele Infizierte in den Dörfern, die bereits krank sind und vielleicht schon andere angesteckt haben.. Wir müssen dort ansetzen, wo sich die Leute anstecken, in den Dörfern. Diejenigen, bei denen ein Verdacht auf Ebola besteht, müssen isoliert werden. Ihre Angehörigen müssen lernen sich vor Infektion zu schützen. Patienten dürfen nicht weiterhin auf eigene Faust zu einem Behandlungszentrum transportiert werden. Die Ansteckungsgefahr ist viel zu hoch. Es sind schon viele Taxi- und Ambulanzfahrer erkrankt oder gestorben. Der Infektionskreislauf muss durchbrochen werden. Ich bin davon überzeugt, dass wir das mit den Menschen in den Dörfern am besten schaffen.

Wie soll das konkret umgesetzt werden?
Wie in vielen afrikanischen Ländern gibt es auch im liberianischen Gesundheitssystem sogenannte Dorfgesundheitshelfer, die eine medizinische Basisversorgung auf dem Land sicherstellen. Sie müssen für Ebola geschult werden und dann in die Dörfer gehen und jede Familie fragen, ob sie in den vergangenen drei Wochen auf einer Beerdigung waren oder anderen Patientenkontakt hatten. Sollte eine Person Fieber haben, wird sie in ihrem Haus isoliert. Wir wollen die Familien ausrüsten, damit sie sich schützen können und die Patienten eine Grundversorgung bekommen. Also eine Art vorübergehender „Home Base Care“ mit Isolierung. Dazu müssen Isolierstationen in den lokalen Krankenhäusern geschaffen werden. Nur so können wir die große Zahl der Infizierten erreichen. Allein die Schwerkranken können wir noch in die Behandlungszentren bringen, und das nur mit besonders geschützten Krankenwagen.  

Meinen Sie, das liberianische Gesundheitssystem kann so einen Ansatz stemmen?
Dieser Ansatz wird jetzt vom Gesundheitsministerium und der WHO in Liberia im ganzen Land angewandt. Da müssen wir unsere kirchlichen Partner unterstützen, ihren Teil dazu beizutragen. Es braucht jetzt ein Heer an lokalen Helfern und solche, die sie ausbilden und mit ihnen den Weg gehen in einer unterstützenden Supervision. Sie müssen geschult und so ausgestattet werden, dass wir ihnen die Angst nehmen, sich bei dieser Arbeit anzustecken. Damit wir genügend Leute finden, müssen wir aber auch ordentliche Gehälter und einen Risikoaufschlag zahlen. Sonst macht niemand mit.

Mit welchen Kosten rechnen Sie?
Wir haben ein Programm aufgesetzt, das in fünf Regionen umgesetzt werden soll und erst einmal bis Weihnachten läuft. Erreichen können wir damit etwa 40.000 Menschen. Wir rechnen, dass uns die Schulungen, die Gehälter und die Ausstattung der Dorfgesundheitshelfer mit Handschuhen, Gummistiefeln, Schutzkleidung, Desinfektionsmitteln, Basis-Medikamenten etwa 250.000 Euro kosten werden. Das ist viel Geld. Aber es ist unsere einzige Chance.

Wie schätzen Sie den Erfolg dieses Programms ein?
Ich kann nicht versprechen, dass es funktioniert. Und die Zeit ist gegen uns. Aber was bisher gemacht wurde, hat auch nicht funktioniert. Aber wenn die Behandlungszentren weiterhin so gute Arbeit leisten und wir auf der anderen Seite verhindern, dass sich neue Leute anstecken, dann haben wir eine Chance. Das Potenzial der lokalen Bevölkerung zur Selbsthilfe ist sehr groß und das müssen wir nützen und die ausländische Hilfe muss hier den lokalen Ansatz unterstützen.

Welche Rolle spielen die Kirchen beim Kampf gegen Ebola?
Die Kirchen stecken mittendrin. Die Pfarrer sind fast nur noch mit Beerdigungen beschäftigt. Und die Gottesdienste sind voller denn je. Die Menschen suchen dort Halt und Trost. Die Ansteckungsgefahr in vollen Kirchen ist nicht zu unterschätzen. Der lutherische Bischof von Liberia hat deswegen überlegt, ob alle Kirchen geschlossen werden sollten, sich aber eindeutig dagegen entschieden. Ich halte es für sehr wichtig, dass gerade jetzt die Kirchen die Menschen mit ihren Ängsten und ihrer Trauer nicht allein lassen. Die geistliche Begleitung ist sehr wichtig. Daneben sind in den Kirchen viele Freiwillige, die sich in ihren Communities einsetzen lassen. Die Kirchen sind ein verlässlicher Partner auch in solchen Krisensituationen.

Sehen Sie eine spezifische Rolle, die die Kirchen in Deutschland derzeit übernehmen können?
Die kirchlichen Krankenhäuser brauchen dringend finanzielle Unterstützung. Es rächt sich jetzt, dass viele Kirchen und Hilfswerke aus entwicklungspolitischen Gründen vor 20 Jahren aufgehört haben, kirchliche Krankenhäuser in Afrika direkt zu unterstützen. Die Infrastruktur in vielen Krankenhäusern ist zum Teil sehr veraltet und es fehlt überall an der Ausstattung. Was aber jetzt erneuert wird, um mit der Ebola-Epidemie fertig zu werden, stärkt das Gesundheitssystem für die Zukunft. Die Behandlungszentren werden wieder abgebaut, wenn die Epidemie einmal vorbei sein sollte. Die Krankenhäuser aber bleiben.

Menschen dürfen nicht allein gelassen werden

Hilfslieferung mit Schutzmaterial
Hilfslieferung mit Schutzmaterial

In Westafrika breitete sich Ebola immer weiter aus. Die Zahl der vom Virus infizierten Menschen stieg stetig. Das Difäm organisierte Hilfslieferungen mit Schutzmaterial für die Krankenhäuser in den betroffenen Regionen und beriet Mitarbeitende in den Einrichtungen, wie das Ansteckungsrisiko reduziert werden konnte.

Seit März 2014 waren Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger in Sierra Leone, Liberia und Guinea dabei, Patienten mit Ebola zu versorgen. Krankenhäuser mussten schließen, weil die Mitarbeitenden Angst vor einer Ansteckung hatten. Das bedeutete, dass auch Kinder mit Malaria oder einer Pneumonie oder Schwangere, die zur Geburt kamen, unter Umständen nur sehr unzureichend versorgt werden konnten. Ein weiteres Problem war, dass die Mittel zur Desinfektion im ganzen Land zur Neige gingen. In Zusammenarbeit mit unserem lokalen Partner, der Christian Health Association in Liberia, brachten wir im August 2014 eine erste Hilfssendung auf den Weg und stellten Ganzkörper-Schutzkleidung, Handschuhe, Mundschutz und Desinfektionsmittel bereit. Gemeinsam versuchten wir, die Krankenhäuser so sicher zu machen, dass dort gearbeitet werden konnte.

Beratung und Evaluation für Krankenhäuser

Zudem wurden medizinische Fachkräfte in der Diagnose sowie im Umgang mit den Schutzmaßnahmen geschult. Da sich die Symptome von Ebola mit denen der Malaria oder des Typhus ähneln, fiel die Diagnose besonders im Frühstadium schwer. Wir wollten den Mitarbeitenden eine Hilfe an die Hand geben. So sollten sich die Krankenhäuser nach klaren Regeln organisieren: Beispielsweise mussten sich nun alle Patienten Fieber messen, bevor sie im Krankenhaus aufgenommen wurden. Im Verdachtsfall musste ein erfahrener Arzt oder klinischer Mitarbeiter konsultiert werden, der die Symptome einordnen konnte, damit Verdachtsfälle isoliert werden und nicht auf allgemeine Stationen gelangen konnten. Dazu mussten die Krankenhäuser Isolierstationen einrichten, die Schutzanzüge, Gummihandschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung hatten. Vor allem war es aber für unsere Partner vor Ort wichtig, dass sie in dieser Situation nicht alleingelassen wurden und immer wussten, dass Sie Hilfe bekommen konnten.

Vertrauen aufbauen und stärken

Die Ebola-Epidemie hatte drei sehr arme Länder getroffen, darunter zwei, deren Strukturen und Systeme durch jahrelangen Bürgerkrieg schon sehr geschwächt waren. Somit waren Information, Aufklärung und vertrauensbildende Maßnahmen sehr wichtig, die gerade auch von den Kirchen wahrgenommen werden konnten. Somit wurden auch Pfarrer und Kirchengemeinden beraten, die ihr Wissen beispielsweise in den Gottesdiensten weitergeben konnten. Da die Kirche über ein großes Netzwerk verfügt, konnten so viele Menschen erreichen werden.

Hier finden Sie Pressemitteilungen über unsere Hilfslieferungen nach Liberia und Sierra Leone im Wert von rund einer Million Euro im Jahr 2014.

Presse zu Ebola

08.11.2015 | Ebola - Die Vergessenen von Manoh | TAZ

49 Menschen starben in einem kleinen Dorf an Ebola. Die Überlebenden leiden weiter – und die Gefahr einer neuen Katastrophe ist nicht gebannt.

Conteh entspannt sich ein wenig und beginnt über die „Killer-Krankheit“ – so bezeichnet er den Virus – zu erzählen. Er war bei seiner Großmutter, half der alten Frau, versorgte sie und steckte sich so bei ihr an. Vielen Menschen in Manoh erging es ganz ähnlich. Es ist eine Selbstverständlichkeit, kranke Eltern, Großeltern oder Kinder zu pflegen, zu waschen, zu füttern und auch in den Arm zu nehmen. Doch mit seiner Hilfe für die Großmutter wurde Issa selbst immer mehr zum Pflegefall. „Ich wurde so schwach, musste mich ständig übergeben, konnte nicht mehr essen. Ständig war mir schwindelig, und ich konnte nichts mehr machen“, sagt er auf Krio, der am weitesten verbreiteten Sprache in Sierra Leone.

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08.11.2015 | Ebolafrei - und doch versehrt | Stuttgarter Nachrichten

42 Tage lang gab es keinen Ebola-Fall mehr. Damit ist die Epidemie in Sierra Leone offiziell für beendet erklärt worden. In den Krankenstationen und Hospitälern des Landes werden schon die Spätfolgen der Krankheit sichtbar.

Das Fieberthermometer zeigt 38,2 Grad Celsius. Der Polizeibeamte stutzt, schaut prüfend, hält noch einmal das Gerät an die verschwitzte Stirn der Fremden. Die Körpertemperatur wird per Infrarot gemessen. „Sind Sie okay?“, fragt er. Alles okay. Der Polizist lächelt. „Ist heiß heute, nicht wahr? Es ist sicher nur die Sonne!“, sagt er beruhigend und öffnet die Straßensperre, die den Weg von Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone, nach Makeni blockiert. „Go on, Sie dürfen passieren.“

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16.03.2015 | Als wäre Ebola noch nicht genug | FAZ

Nach Ebola könnte in Westafrika die nächste Epidemie drohen. Durch den Zusammenbruch der Gesundheitssysteme haben Kinder massenweise die fällige Masernimpfung verpasst. Amerikanische Epidemiologen skizzieren die möglichen Folgen.

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03.03.2015 | Bei Ebola sind wir noch nicht über den Berg | FAZ

Noch wird zur Vorsicht gemahnt - aber die Zuversicht, Ebola bald unter Kontrolle gebracht zu haben, ist überall zu spüren. Auch ein Aktionsplan für die Zukunft steht fest.

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03.03.2015 | Sehnsucht nach Normalität | Süddeutsche Zeitung

Im Kampf gegen Ebola gibt es Zeichen der Hoffnung, aber auch immer wieder Rückschläge. In Brüssel berät eine Konferenz darüber, wie die Seuche ganz eingedämmt werden kann.

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16.02.2015 | Ebola: Rückgängig, aber noch nicht zu Ende | Radio PSR

Ebola-Virus eingedämmt? Eine Ärztin berichtet aus Sierra Leone - Die Kirchenredakteure Friederike Ursprung und Daniel Heinze sprachen mit Difäm-Redakteurin Dr. Gisela Schneider über ihre Reise nach Sierra Leone.

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06.01.2015 | Ebola ist nach wie vor eine Bedrohung | Kath. Sonntagsblatt

Das Difäm in Tübingen ist ein gemeinnütziger Verein, der sich für Gesundheit in der Einen Welt einsetzt. Dessen Direktorin Dr. Gisela Schneider ist immer wieder in den afrikanischen Ebola-Krisengebieten unterwegs, um den Menschen zu helfen. Warum es so wichtig ist, diese Länder nicht zu vergessen und wie die Hilfe von Deutschland aus möglich ist, erklärt sie im Interview.

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Kontakt

Dr. med. Gisela Schneider
Dr. med. Gisela Schneider Direktorin Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071 7049017 Fax: 07071 7049039 schneider@difaem.de
Ute Papkalla
Ute Papkalla Referentin für Gesund-heitssystemstärkung Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071-7049031 Fax: 07071-7049039 papkalla@difaem.de

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