Aufbau einer Krankenversicherung

Neun von zehn Menschen in Afrika südlich der Sahara haben keinen Zugang zu einer Kranken- oder Unfallversicherung. Krankheit bedeutet nicht selten eine existenzielle Bedrohung für ganze Familien. Im Ostkongo unterstützen wir daher den Aufbau einer lokalen Krankenversicherung: Die Mutuelle de Santé Canaan, MUSACA.

Wenn Krankheit die Existenz bedroht
Viele Menschen im Ostkongo haben keinen Zugang zu den Gesundheitsdiensten. Oft ist die medizinische Versorgung nicht ausreichend. Langjährige politische Konflikte erschweren die Entwicklung des Landes, die Infrastruktur befindet sich in einem schlechten Zustand. Dennoch fließen kaum staatliche Ausgaben in den Gesundheitsbereich.

In den meisten Krankenhäusern müssen die Patienten ihre Behandlung inklusive Medikamente selbst bezahlen. Viele Menschen können sich das nicht leisten. Sie behandeln sich entweder selbst oder, wenn sie ins Krankenhaus kommen, verlassen sie es vorzeitig. Umgekehrt fehlen den Krankenhäusern die Einnahmen. Sie können dann ihre Angestellten nicht bezahlen. Um diesem Kreislauf von Armut und Krankheit ein Ende zu setzen, fördern wir den Aufbau einer solidarischen Krankenversicherung.

Krankenkasse als Versöhnungsprojekt
Rose Mumbere leitet ein Krankenversicherungsprojekt im Ostkongo. Die Mutuelle de Santé Canaan (MUSACA) soll nicht nur kostengünstigen Zugang zur Gesundheitsversorgung sichern, sondern auch die Solidarität unter den verschiedenen ethnischen Gruppen stärken und so zur Versöhnung nach dem Bürgerkrieg beitragen. Das Difäm begleitet, evaluiert und berät die MUSACA seit der Anfangszeit.

„Viele Menschen erreichen wir in unserer Kultur während der Totenwache“, sagt Rose Mumbere. „Im Tod sind alle gleich und genau dort setzen wir an.“ Die gelernte Krankenschwester unterrichtet neben ihrer Arbeit für MUSACA an Krankenpflegeschulen in Nyankunde und Bunia. Im französischen Lyon hat sie internationale Entwicklung studiert. Dort kam sie auch auf die Idee, in ihrer Heimat eine Krankenkasse aufzubauen. „Als der Bürgerkrieg endlich zu Ende war, zogen sich viele internationale Hilfsorganisationen aus dem Ostkongo zurück und die Gesundheitsversorgung bei uns verschlechterte sich rapide“, sagt die Mutter dreier Töchter. Da keine Gratismedikamente mehr verfügbar waren, hätten die Menschen aus Blättern Arznei hergestellt oder billige und schlechte Arzneimittel an Marktständen gekauft. „Bei uns gibt es keine bzw. keine erschwingliche Krankenversicherung. Die Familien müssen die Kosten für medizinische  Behandlungen und den Arbeitsausfall eines Familienmitglieds selbst tragen.“ Nicht selten sei die Existenz einer ganzen Familie dann bedroht.

Krankenversicherung statt Sterbekasse
2008 begann Rose Mumbere den Aufbau der MUSACA mit dem Ziel, allen Menschen in Bunia eine gute und bezahlbare Gesundheitsversorgung zu ermöglichen. Zusammen mit Kollegen führte sie vom Centre Médical Évangélique aus eine Situations- und Machbarkeitsanalyse durch. Über das Radio informierten sie die Bevölkerung über ihr Vorhaben und die Funktion einer Krankenversicherung. „Der Spar und Vorsorgegedanke ist in unserer Kultur vorhanden. Aber der Zweck war bisher ein anderer“, sagt Rose Mumbere. Es gebe beispielsweise informelle Sterbekassen, in die die Menschen einzahlten, um später ein ordentliches Begräbnis zu bekommen. „Aus Respekt vor den Toten geben die Menschen in meinem Heimatland traditionell viel Geld für Begräbnisse aus. Wir fragen sie: ‚Warum zahlt ihr für den Tod? Spart doch lieber für eure Gesundheit!‘“

Zwölf Dollar für Basisgesundheit
Für einen Beitrag von zwölf Dollar pro Jahr und einer einmaligen Einschreibegebühr von fünf Dollar erhalten die Mitglieder der MUSACA Basisgesundheitsversorgung in drei Einrichtungen: Erstbesuch beim Arzt, Routine- und Laboruntersuchungen, Geburtshilfe und einen bis zu siebentägigen Klinikaufenthalt. Eine zweite Kategorie deckt für einen Jahresbeitrag von 20 Dollar auch kostspielige Operationen wie Blinddarm oder Kaiserschnitte ab. „Bei einem monatlichen Einkommen von rund 40 Dollar ist das für viele Menschen sehr viel Geld“, sagt die Difäm-Partnerin. MUSACA räume ihren Mitgliedern deswegen auch die Möglichkeit ein, das Geld in Raten zu zahlen. 

Verantwortung füreinander übernehmen
Fünf Festangestellte und 20 Multiplikatoren verbreiten in Schulen und Dörfern die Idee der Krankenversicherung. Ein Plakat zeigt, wofür das Projekt steht: Solidarität, gegenseitige Hilfe, Liebe und Beteiligung an der Gemeinschaft. Die Mitglieder der MUSACA haben nicht nur freien Zugang zu medizinischer Versorgung, sie übernehmen auch Verantwortung füreinander. So erhalten Werte wie Zusammengehörigkeit und Solidarität eine neue Bedeutung. Der Aufbau der Krankenversicherung wird immer wieder erschwert durch Unruhen, gewalttätige Übergriffe und Fluchtbewegungen in der Gegend. Rose Mumbere und ihre Mitstreiter brauchen vor allem eines: einen langen Atem und verlässliche Partner. 

 

Wie Sie helfen können:

Wer bezahlt Gesundheit? Das Difäm fördert den Aufbau einer Krankenversicherung in Bunia. Über ethnische Grenzen hinweg trägt der Solidaritätsgedanke die Kasse, die für einen Beitrag von zwölf Dollar im Jahr die medizinische Grundversorgung sichert. 

33 Euro finanzieren den monatlichen Unterhalt eines Motorrads für Besuche der Mitarbeitenden in den Gesundheitseinrichtungen.
50 Euro kostet eine Kampagne zur Gewinnung weiterer Versicherungsmitglieder.
75 Euro ermöglichen eine dreitägige Weiterbildung zum Thema Krankenversicherung.

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