Mikrokredite für Frauen im Kongo

Bei einem Überfall wurde sie vergewaltigt, ihr Mann verließ sie aus Angst vor HIV. Im Panzi-Hospital wurde Makangilu medizinisch und psychologisch versorgt. Heute führt sie einen Handel mit Maniok-Mehl und kann ihren beiden Kindern die Schulausbildung ermöglichen. Den Erfolg verdankt sie einem Mikrokredit-Projekt des Difäm.

Inmitten einer Plantage hinter Lehmhütten, versteckt unter Bananenstauden, finden wir, wonach wir gesucht haben: Ein mit Überhängen aus Sackleinen geschütztes kleines Beet mit Pilzen. Der Anbau von Pilzen ist Teil eines Mikrokredit-Programms für Frauen im Osten der Demokratischen Republik Kongo, welches das Difäm seit 2011 unterstützt. Madame Rosalie begleitet uns zu den Pilzbeeten in Mizi-Murhesa, einem Dorf im Süd-Kivu. Sie leitet das Programm der Fraueninitiative Shinda, zu dem zehn Selbsthilfegruppen in Dörfern rund um Bukavu gehören. „Ich möchte den Frauen ihren Lebensmut zurückgeben und sie wieder in eine Dorfgemeinschaft integrieren“, sagt sie.

Starke Frauen nehmen ihr Leben in die Hand

Das Mikrokredit-Programm richtet sich an Frauen mit Behinderung, Witwen und Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Sie erhalten ein Darlehen als Startkapital, mit dem sie sich ihren eigenen Lebensunterhalt erwirtschaften können. Einige der Frauen haben mit dem Geld ein Gemeinschaftsfeld finanziert, wo sie nun Maniok anpflanzen, den sie später gewinnbringend auf dem Markt verkaufen. Andere Frauen haben Avocado-Bäume gepachtet.

Stolz zeigen uns zwei Frauen aus dem Dorf ihr Beet mit den Pilzen. „Die erste Ernte brachte acht Kilogramm Pilze“, erzählt eine der beiden Frauen. „Im Dorf erhalten wir pro Kilo drei Dollar, in Bukavu sogar bis zu 10 Dollar.“Für die Sporen mussten sie anfangs 80 Dollar investieren. Allerdings könne eine angelegte Pilzkultur nur etwa sechs Mal hintereinander abgeerntet werden, erklärt die Frau. Danach müssten wieder neue Sporen gekauft werden. Diese bekommen die beiden Frauen bei der LandwirtschaftlichenFakultät der Evangelischen Universität in Afrika mit Sitz in Bukavu. Sie hat die Pilzsporen in Zusammenarbeit mit der Universität Hohenheim bei Stuttgart gezüchtet.

Bisher haben fast 200 Frauen Darlehen zwischen 50 und 100 Dollar erhalten. Üblicherweise zahlen die Frauen innerhalb von sechs Monaten die Kredite ab. Erst dann kann die nächste Gruppe von 30 bis 50 Frauen wieder Startkapital aufnehmen. Zusätzlich zu den Krediten erhalten die Frauen Schulungen in Geldwirtschaft und im Umgang mit Finanzen. Einige werden dabei als Multiplikatorinnen ausgebildet, die dann ihr Wissen an andere Frauen weitergeben können.

Das Mikrokredit-Programm ermöglicht Frauen, sich trotz ihrer Geschichte und den widrigen Umständen im Land zu engagieren und sich für ein unabhängiges, gesundes und gerechtes Leben einzusetzen. Das Difäm wird diese starken und entschlossenen Frauen weiterhin, so gut es geht, in ihrer Arbeit unterstützen.

Hintergründe

Initiiert durch das Panzi-Krankenhaus wurde für die Frauen in Bukavu ein Zentrum errichtet, in dem sie Beratung sowie medizinische, psychologische und rechtliche Unterstützung erhalten. Zudem schult eine lokale Partnerorganisation des Difäm, die Fraueninitiative SHINDA/Mamas for Africa, die Frauen in Sachen Geldwirtschaft und im Umgang mit den Krediten.

Sowohl während des Bürgerkriegs von 1998 bis 2004 als auch bei den immer wieder aufflammenden Unruhen im Ostkongo wird sexuelle Gewalt gegen Frauen als Kriegswaffe eingesetzt. Daran sind sowohl Rebellen als auch Regierungstruppen beteiligt. Unter der Leitung des Difäm-Partners Dr. Denis Mukwege, dessen Arbeit u.a. mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet wurde, setzen sich die Mitarbeitenden des Panzi-Krankenhauses für das Leben und die Rechte der Frauen im Kongo ein.

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