Internetbasiertes Lernen für Patientensicherheit

Wie verbreiten sich Krankenhauskeime und wie kann das im Klinikalltag verhindert werden? Wie können Patienten durch den richtigen Einsatz von Antibiotika besser vor Infektionen geschützt, aber Resistenzen verhindert werden? In einem E-Learning-Projekt werden Fachkräfte an liberianischen Krankenhäusern von Deutschland aus zu Infektionsschutz und Antibiotika-Resistenzen geschult.

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Regelmäßige Epidemien auf Kinderstationen, eine hohe Müttersterblichkeit sowie die niedrige Qualifizierung der Gesundheitsfachkräfte deuten in Liberia auch nach der Ebola-Epidemie noch auf ein schwaches Gesundheitssystem hin. Mit internetbasierten Schulungen (e-Learning) schulen das Difäm und das Missionsärztliche Institut Würzburg zusammen mit dem Netzwerk christlicher Gesundheitseinrichtungen in Liberia als lokaler Partner medizinisches Personal, Pflegekräfte, Hebammen sowie Pharmazeuten an drei christlichen Krankenhäusern in Liberia zur Verbesserung der Patientensicherheit.

Fast wöchentlich sitzen sich Lehrende aus Deutschland und Fachkräfte aus dem 6.500 Km entfernten Liberia in Webinaren gegenüber und sprechen über qualitätsbewusstes Krankenhausmanagement, Infektionskontrollen und Hygienemaßnahmen. Es soll ein Bewusstsein für den Zusammenhang zwischen Hygiene, Infektionen und dem Gebrauch von Antibiotika entwickelt werden.

In einer Online-Lernplattform wird den Teilnehmenden weiterführende Literatur zur Verfügung gestellt. In Online-Foren können sie ihre Erfahrungen austauschen.

In Präsenzphasen wird das Gelernte in die Praxis umgesetzt. Dabei werden die Fachkräfte in Liberia durch Fachkollegen aus Tübingen und Würzburg begleitet. Dazu gehört die Erarbeitung von Umsetzungs- und Trainingsplänen in Handhygiene, Desinfektion, Schutzkleidung, dem Umgang mit infektiösem Material und Instrumenten sowie der richtige Einsatz von Medikamenten wie Antibiotika und das frühzeitige Erkennen von Therapieversagen.

Versorgung verbessern, Fehler vermeiden

Zu Beginn wurde eine Situationsanalyse in den Krankenhäusern vor Ort zu der Verfügbarkeit von Internet, Hygienestandards, der Verfügbarkeit von Wasser, Entsorgungsmöglichkeiten für infektiöses Material sowie der Qualifizierung des Personals durchgeführt.

Während der Ebola-Krise wurden in Liberia Maßnahmen umgesetzt, um Gesundheitsdienste zu stärken und Qualitätsmängel in der Versorgung zu beseitigen. Dazu zählten Hygienevorschriften zum verbesserten Infektionsschutz sowie Richtlinien zum Schutz vor der Entwicklung von Arzneimittelresistenzen. Bei der Analyse kam heraus, dass, seitdem es keine Gefahr durch Ebola mehr gibt, Händehygiene, das Tragen von Schutzkleidung oder richtiges Abfallmanagement kaum mehr durchgeführt wird. So werden infektiöse Komplikationen nach einer Operation oder das Auftreten von Durchfall-Epidemien auf Kinderstationen in den Gesundheitseinrichtungen nur selten mit Hygieneproblemen in Verbindung gebracht. Darauf reagiert das medizinische Personal meist mit der vorbeugenden Verordnung von Antibiotika. Damit wird das Problem jedoch nicht gelöst und einer Entwicklung von Antibiotika-Resistenzen Vorschub geleistet.      

Durch die Schulungen sollen die Fachkräfte lernen, dass sich der Infektionsschutz nicht nur auf seuchenhafte Erreger bezieht, sondern Infektionen insgesamt verhindern kann. Dadurch soll die Versorgungsqualität verbessert und Fehler im Behandlungsprozess vermieden werden.

Blicke in die Zukunft

Die Vorteile der Webinare sind vielfältig: Online-Lernen spart Kosten, die Teilnehmenden sind durch die Nutzung von Smartphones örtlich unabhängig und sie können sich online die Lerninhalte selbst aneignen. Nach einer Evaluation der ersten Projektphase sollen nun in einer weiteren Phase neue Themen hinzukommen. Zusätzlich soll das Projekt auf weitere Partnerkrankenhäuser des Difäm in anderen Ländern ausgeweitet werden.

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