Aus der Tabuzone herausholen

Für viele Betroffene ist die eigene Gemeinde nicht der Ort, um offen über ihre psychische Erkrankung oder die von Angehören zu sprechen. Deshalb sensibilisiert das Difäm gemeinsam mit Partnern interessierte Kirchengemeinden für das Thema psychische Gesundheit und Krankheit. Ziel ist es, die gesundheitfördernden Angebote in den Gemeinden zu erweitern und zu verbessern.

Kirchengemeinden und seelische Gesundheit

Psychische Erkrankungen als Thema in Gemeinden

Psychische Erkrankungen gehören zu den häufigsten und den am meisten unterschätzten Leiden. Deutschlandweit ist nahezu jeder vierte Mann bzw. jede dritte Frau zwischen 18 und 79 Jahren betroffen.  Über 40 Prozent aller krankheitsbedingten Frühberentungen sind aufgrund von psychischen Erkrankungen.

Viele Faktoren lösen psychische Erkrankungen aus und beeinflussen ihren Verlauf. Der Mensch ist als Ganzes, mit Leib, Seele und Geist, mit allen seinen Beziehungen betroffen. Soziale und spirituelle Einflüsse können zur Behandlung der Erkrankung beitragen. Dabei spielen Kirchengemeinden eine wichtige Rolle.

Für viele Menschen sind beispielsweise das Fehlen tragender Beziehungen als Folge der Individualisierung und des Strebens nach Autonomie sowie die Wurzellosigkeit durch hohe Mobilität eine große psychische Belastung. Umso wichtiger ist das soziale Netz der Gemeinde. Als Orte der Gottesbegegnung können Gemeinden für psychisch kranke Menschen wichtig und heilsam sein. Und auch vor dem Auftreten einer psychischen Erkrankung kann eine solidarische und vertraute Kirchengemeinde seelische Gesundheit aktiv fördern. Oft sind die Ansätze hier schon vorhanden und müssen nur noch ausgebaut werden.

Die Erkrankten leiden oft besonders darunter, nicht mehr beten zu können und sich fern von Gott und - meist unbegründet - mit Schuld beladen erleben. Manchmal trifft jedoch ein Psalmvers oder ein einzelner Satz einer Predigt ins Innere des Menschen, begleitet und tröstet ihn über eine lange Zeit. Abendmahl und Eucharistie können als Quellen der Kraft erfahren werden, und nicht selten sind Menschen mit psychischen Erkrankungen offen für die Rituale der Segnung und Salbung, die persönlichen Zuspruch geben und wohltuend berühren.

Förderung seelischer Gesundheit in Gemeinden

Projekt zur Förderung seelischer Gesundheit in Kirchengemeinden

Wie kann man seelische Gesundheit in Kirchengemeinden zum Thema für alle Gemeindemitglieder machen? Mit Unterstützung der gemeindepsychiatrischen Dienste der evangelischen Gesellschaft (eva) Stuttgart und des Difäm erarbeiten interessierte Gemeinden...

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Vorläufer und Hintergründe zum Projekt

Im Herbst 2014 startete das gemeinsame Projekt „Kirchengemeinde und Depression“ des Difäm und des Lehrstuhls Praktische Theologie III der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Zwei Jahre lang wurden die gesundheitsfördernden...

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Aktuelle Projekte von Kirchengemeinden im Kirchenkreis Stuttgart

Das Difäm und die Gemeindepsychiatrischen Zentren (GpZ) der eva in Stuttgart Birkach, Freiberg und Möhringen unterstützen psychisch kranke Erwachsene mit Fachdiensten und offenen ambulanten Angeboten. Sie engagieren sich derzeit im Projekt zur Förderung seelischer Gesundheit in Gemeinden im Kirchenkreis Stuttgart.

Welche Kirchengemeinde sind beteiligt?

Evangelische Kirchengemeinden Himmelsleiter, Stammheim, Zazenhausen und Zuffenhausen
Über das Gemeindepsychiatrische Zentrum Freiberg sind die Kirchengemeinden Himmelsleiter, Stammheim, Zazenhausen und Zuffenhausen in das Projekt eingebunden. In verschiedener Weise bringen sie sich in das Projekt ein. Es werden Informationen zum Projekt in den Gemeindebriefen veröffentlicht, Gottesdienste thematisch an psychischer Gesundheit ausgerichtet oder aber auch Büchertische aufgebaut.

Evangelische Kirchengemeinden Möhringen und Thomasgemeinde
Im Einzugsgebiet des Gemeindepsychiatrischen Zentrums Möhringen sind die Kirchengemeinden Möhringen und die Thomasgemeinde aktiv.

Im Kirchengemeinderat in Möhringen wird seit längerem geplant. Hierbei wird unter anderem eine Gesprächsgruppe für Angehörige angedacht und weitere Projektbausteine sind in Überlegung.

Die Thomasgemeinde plant ein Themenjahr ab Ende 2017. Hierfür wurde eine Projektgruppe gegründet, um das Themenjahr vorzubereiten. Die Zielgruppe sollen nicht (nur) explizit Menschen mit einer seelischen Erkrankung sein, sondern alle Menschen aus dem Stadtteil und Gemeindeglieder. Die Gemeinde ist mitten in den Planungsarbeiten. Es soll über das Jahr verteilt vier Gottesdienste dem Thema entsprechend geben. Desweiteren wollen sie besondere Formate wie Vorträge, Seminartage, Feierabendmahl oder aber auch Podiumsveranstaltungen anbieten. Bei allen Überlegungen sind sie offen für eine Kooperation mit anderen Gemeinden (auch ökumenisch).

Evangelische Kirchengemeinde Alt-Heumaden
Auch die Kirchengemeinde Alt-Heumaden (in Zusammenarbeit mit dem Gemeindepsychiatrischen Zentrum Birkach) ist in die Projektarbeit stark involviert. Hier läuft aktuell ein Themenjahr mit verschiedenen Angeboten. Das Frauenfrühstück und die Männertreffs wurden thematisch an der seelischen Gesundheit ausgerichtet. An einigen Samstagen übers Jahr verteilt, trifft sich eine Gruppe zum "Singen für die Seele". Auch das Projekt "Stufen des Lebens", das als Religionsunterricht für Erwachsene ausgeschrieben ist, steht unter dem Thema "Bibellesen neu entdecken – Texte aus dem Neuen Testament". Vorträge, Workshops und Themengottesdienste werden über das Themenjahr hinweg angeboten.

Projektteam

Am Projekt beteiligte Personen

Aus dem Difäm

Dr. Beate Jakob
Studien- und Gemeindearbeit

In Kooperation mit

Gemeindepsychiatrische Dienste der evangelischen Gesellschaft (eva) Stuttgart

Veröffentlichungen und Vorträge

Ergebnisse des Vorläuferprojektes

Die Ergebnisse der Untersuchungen im Rahmen des Projektes 'Kirchengemeinden und Depressionen' sind in dem Buch 'Menschen mit Depression. Orientierungen und Impulse für die Praxis in Kirchengemeinden' veröffentlicht. Das Buch ist beim Neukirchener Verlag oder im Buchhandel erhältlich.
Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Forschung in thematischen Vorträgen in Kirchengemeinden und in Fortbildungen für Pfarrerinnen und Pfarrer angeboten.

Von der Ständigen Konferenz für Seelsorge der EKD (SKS) wurde das Projekt als Modellprojekt ausgewählt. In diesem Zusammenhang sind weitere Evaluationen und Veröffentlichungen geplant. 

Vorstellung des Modellprojektes

Unsere Vortragsangebote zur Seelsorge bei Depression

Wir kommen gerne als Referenten mit folgenden Themen zu Seelsorge bei Depression zu Ihnen in die Gemeinde:

  • Depression kann jeden treffen. Was trägt und was hilft?
  • „Hier kann ich kommen, egal wie ich drauf bin“ – Kirchengemeinden als soziales Netz für Menschen mit psychischen Belastungen
  • Depression im Alter. Wie können wir die Betroffenen unterstützen?

 Sprechen Sie uns einfach an.

Vortrag "Kernkompetenz heilsame Gemeinde"

 

Das Projekt wird unterstützt von der Stiftung Diakonie Württemberg.

Kontakt

Dr. med. Beate Jakob
Dr. med. Beate Jakob Gemeinde- und Studienarbeit Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071 7049023 Fax: 07071 7049039 jakob@difaem.de

Buch Menschen mit Depression

Orientierung und Impulse für die Praxis in Kirchengemeinden - Das Buch ist erhältlich beim Gütersloher Verlagshaus oder direkt im Buchhandel.

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