Weltweit gemeinsam gegen das Corona-Virus

Während Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider in Tübingen die Fieberambulanz mit aufbaut und vor Ort als Ärztin mitarbeitet, schulen Difäm-Partner in Liberia und der Demokratischen Republik Kongo Menschen in Händedesinfektion zum Schutz vor dem Corona-Virus. Das Difäm unterstützt seine Partner mit Online-Weiterbildungen, Beratung und der Bereitstellung von Schutzmaterialien. Unterstützen Sie die weltweite Difäm-Arbeit mit Ihrer Spende. Denn die Corona-Pandemie ist eine globale Krise, die wir nur gemeinsam lösen können!

Gemeinsam stark sein – gegen das Corona-Virus – lokal und weltweit

Partnerschaftlich im Einsatz gegen die Corona-Pandemie

Das Corona-Virus hat innerhalb kurzer Zeit das Leben in Europa massiv verändert. Auch in den Difäm-Partnerländern bedroht es zunehmend die Menschen. Viele unserer Partner bitten uns um Hilfe, denn es fehlt am Wissen, wie man sich gegen das Virus schützen kann, an Wasser und Seife für die Hygiene. Tests auf eine Infektion können nur in Ausnahmefällen durchgeführt werden und die medizinische Versorgung einer großen Zahl von Schwerkranken ist nicht gewährleistet. Beatmung ist kaum möglich. 

Es wäre fatal, wenn das Corona-Virus sich dort ungehindert ausbreitet. Deshalb unterstützen wir unsere Partner beispielsweise in Liberia, dem Kongo und in Kamerun mit Informationen zum Virus, Online-Beratung zum Infektionsschutz und mit dringend benötigten Schutzmaterialien. Mittlerweile wird vor Ort Schutzkleidung hergestellt und in Händedesinfektion geschult. Die Bevölkerung lernt, wie wichtig es ist, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Gerade im ländlichen Afrika müssen die notwendigen Voraussetzungen dafür meist erst geschaffen werden. 

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit Ihrer Spende!

Difäm-Webinare rund um das Corona-Virus
Difäm-Webinare rund um das Corona-Virus
In Zeiten von „Social Distancing“ bieten Webinare eine gute Möglichkeit, humanitäre und gesundheitliche Maßnahmen „aus der Ferne“ zu unterstützen. Dabei bieten wir unseren Partnern interaktive Lernaktivitäten rund um medizinische und gesellschaftliche Aspekte der Corona-Pandemie. plus
Beschaffung von medizinischen Materialien
Beschaffung von medizinischen Materialien
Welche Engpässe machen unseren Partnerorganisationen momentan in Hinblick auf die Corona-Pandemie zu schaffen? Um das herauszufinden, haben wir in den letzten Wochen eine Befragung durchgeführt. plus
Neue Wege für integrativen Unterricht im Ostkongo
Neue Wege für integrativen Unterricht im Ostkongo
In Aru im Nordosten der DR Kongo gehen normalerweise Kinder mit und ohne Seh- und Hörbehinderungen gemeinsam zur Schule. Einige von ihnen leben auch dort im Internat. In Zeiten von Corona ist das nicht möglich. Die Lehrer der integrativen Schule haben die Initiative ergriffen und... plus

Difäm-Partner im Kampf gegen das Corona-Virus

DR Kongo: Lieber an COVID-19 sterben als die Kinder verhungern sehen

SARS-CoV-2 bedroht die Gesundheit und fordert Menschenleben, auch in Afrika. Doch das Virus hat weitere Folgen: Es weckt tiefe Ängste und hat gravierende gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen. Was die Pandemie für den Alltag der Menschen im Osten der Demokratischen Republik Kongo bedeutet, beschreibt Difäm-Partnerin Mema Mapenzi. Sie leitet in Bukavu, Süd-Kivu, das Zentrum Olame für Frauen und Mädchen, die Opfer von sexualisierter Gewalt geworden sind. Dabei arbeitet sie eng mit Friedensnobelpreisträger Dr. Denis Mukwege zusammen.

Wir geben Auszüge aus einem längeren Schreiben von Thérèse Mema Mapenzi wieder:

Die Pandemie kommt im Kongo an

Am 10. März 2020 erfahren wir plötzlich, dass in Kinshasa Menschen an COVID-19 erkrankt sind. Zwei Wochen später ruft Präsident Felix Tshisekedi für das ganze Land den Notstand aus. Zwischen Kinshasa und den Provinzen sowie zwischen der Demokratischen Republik Kongo und anderen Ländern besteht ein striktes Reiseverbot. Als bekannt wird, dass im benachbarten Ruanda Menschen an COVID-19 erkrankten, macht sich bei uns im Süd-Kivu Panik breit.

Wirtschaftliche Folgen

Obwohl COVID-19 im Süd-Kivu noch gar nicht weit verbreitet ist, spüren wir die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bereits deutlich. So hat beispielsweise die Schließung des Grenzpostens Ruzizi zwischen Bukavu und Ruanda den grenzüberschreitenden Handel zum Erliegen gebracht. Das bedeutet: Alle, die von diesem Handel leben, haben von heute auf morgen kein Einkommen mehr. Zudem steigen die Preise für Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis und Gemüse – ein riesiges Problem für arme Familien!

Angst vor Hunger

Da es keinerlei staatliche Hilfen für Menschen ohne Einkommen gibt, kommen viele in prekäre Situationen. Eine Frau, die wir im Zentrum betreut haben, hat ein kleines Restaurant in Bukavu eröffnen können. Seit Ende März ist es geschlossen. „Wie soll ich meine Familie ernähren, wenn ich keinerlei Einkommen mehr habe?“, fragt sie besorgt. Vor demselben Problem steht Zawadi, der als Geflüchteter in Bukavu lebt und mit dem Verkauf von Obst und Gemüse etwas Geld für sich und seine Familie verdient. Er ist verzweifelt: „Mein kleiner Verkauf bringt nicht viel, aber wir konnten davon leben. Jetzt haben wir gar nichts mehr. Ich würde lieber am Corona-Virus sterben als meine Kinder verhungern sehen.“

Alle Menschen, deren Gesundheit durch das Corona-Virus gefährdet ist, brauchen Hilfe. Wir müssen uns aber auch um diejenigen kümmern, die in dieser Situation mittellos werden. Dazu braucht es nationale und internationale Solidarität.

Thérèse Mema Mapenzi

DR Kongo: Was Corona für die Menschen bedeutet

Corona in der Demokratischen Republik Kongo: Dr. Kambale Tsongo Kaki berichtet aus Bunia

Die Demokratische Republik Kongo, vor allem der Osten, ist seit Jahrzehnten Schauplatz von Kriegen und Konflikten. Gewalt prägt den Alltag, vor allem die Zivilbevölkerung leidet. Dazu kam 2018 ein Ebola-Ausbruch in einigen Regionen. Erst im März 2020 meldeten die Medien: Der letzte Ebola-Patient wurde aus dem Krankenhaus entlassen. Eigentlich eine Gelegenheit zum Aufatmen – würde sich mit Corona nicht schon die nächste Katastrophe anbahnen. Wenn die Corona-Pandemie uns in Europa schon in Angst und Schrecken versetzt, wie soll es den Menschen im Kongo gehen, denen Ebola noch „in den Knochen“ steckt?

Noch relativ wenige Fälle im Kongo

Zwar sind die Zahlen der bestätigten Infektionen noch niedrig und man zählt bislang wenige Todesfälle, die auf COVID-19 zurückzuführen sind: Nach Angaben der WHO (Stand 8. April 2020) wurden im ganzen Land 180 Corona-Infektionen bestätigt, 9 Patienten haben COVID-19 gesund überstanden, 18 Patienten sind an der Infektion gestorben.

Difäm-Referentin Gabi Hettler ist in engem Austausch mit unserem Partner Dr. Kambale Tsongo Kaki, Leiter der medizinischen Arbeit der Kirche CECA 20, mit der das Difäm schon seit vielen Jahren kooperiert. Dr. Kaki ist für die 70 Gesundheitseinrichtungen der CECA 20 zuständig und leitet das Büro für kirchliche Gesundheitsarbeit in Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo. Bis jetzt haben er und sein Team intensiv den EbolaAusbruch in der Gegend bekämpft und eine gute Arbeit in der Prävention geleistet.

Dr. Kambala Tsongo Kaki über die Ängste der Bevölkerung

Auf die Frage, was Corona für seine Arbeit und die Menschen bedeutet, sagt Dr. Kaki:

In Nyankunde, 45 km von Bunia entfernt, haben wir ein großes medizinisches Zentrum, von dort wurde ein erster positiver Corona-Test gemeldet. Die Kontakte dieses Menschen werden zurückverfolgt. In der langen Zeit, die wir mit Ebola zu kämpfen hatten, ging in unserer Gegend leider viel Vertrauen in die Gesundheitssysteme verloren, da so viele Menschen gestorben sind. Die Bevölkerung ist jetzt alarmiert und voller Sorge. Die Menschen fragen sich: „Was hat es mit dieser neuen Krankheit auf sich? Werden jetzt wieder viele von uns sterben? Wie können wir uns schützen?“

Für uns wird es in den nächsten Wochen entscheidend sein, die Menschen gut aufzuklären und sie zu informieren, wie sie sich vor einer Infektion mit Sars-CoV-2 schützen können. Wir müssen ihre Angst ernst nehmen, wollen sie aber auch vor Panik zu schützen. Sollte sich das Virus weiter ausbreiten und es zu Beschränkungen unserer Reisemöglichkeiten kommen, wird unsere Projektarbeit schwieriger werden, vor allem in den entfernten Gemeinden auf dem Land. Aber gerade jetzt werden wir dort dringend gebraucht. Gott möge uns schützen – das ist mein Gebet.

Das Difäm unterstützt seine weltweiten Partner derzeit zum Beispiel mit Online-Schulungen für Mitarbeitende zum Thema Infektionsprävention oder bei der Beschaffung von Schutzkleidung.

Indien: „Wie gut, dass wir die Task Forces haben!“

Corona in Indien: Dr. Vandana Kanth vom Duncan Hospital, Bihar, Indien, berichtet.:

Bei uns in Bihar gibt es kaum Testmöglichkeiten auf das Corona-Virus und auch am Duncan Hospital haben wir keine Tests. Obwohl in Bihar bisher nur wenige COVID-19-Erkrankungen diagnostiziert wurden, befürchten wir, dass die Pandemie uns hart treffen wird. Sollten viele Menschen gleichzeitig Hilfe brauchen, wäre das eine Katastrophe.

Am Krankenhaus sind wir eine Gruppe von zehn Mitarbeitenden, die sich mit der Prävention von COVID-19 befassen. Wir isolieren Patienten mit verdächtigen Symptomen und schulen alle Mitarbeitenden zu den nötigen Hygiene- und Isolationsmaßnahmen. Über eine WhatsApp-Gruppe tauschen wir laufend neue Informationen aus.

Meine Aufgabe als Leiterin des Community Health Department ist die Aufklärung in den Gemeinden in unserem Einzugsgebiet. Das Projekt Nayi Roshni („Neues Licht“) zur Verbesserung der psychischen Gesundheit ist jetzt ein besonderer Segen. Denn wir haben so genannte Task Forces gebildet – das sind Frauen und Männer, die in ihren Dörfern zu psychischer Gesundheit aufklären. Sie haben das Vertrauen der Menschen und können nun in die Corona-Aufklärung eingebunden werden. Sie propagieren das konsequente Händewaschen mit Seife und die Wichtigkeit, zu nahe Kontakte möglichst zu vermeiden.

Das aktuell größte Problem ist die Angst der Menschen. Das Einzige, was sie wissen, ist: COVID-19 kann jeden treffen und kann tödlich verlaufen. Problematisch sind die Theorien zur Ausbreitung des Virus, die bei uns kursieren. Das Virus, so denken die Menschen, verbreite sich in Bihar, weil einige schlechtes Essen aus China gegessen hätten. Zudem sei das Virus in Eiern und Hühnerfleisch enthalten. Und es gibt noch ein weiteres schlimmes Gerücht: In Italien habe sich das Virus so schnell verbreitet, weil dort christliche Mission stattgefunden habe.

Als Folge der allgemeinen Verunsicherung und Angst werden Menschen, die aus dem Ausland nach Bihar zurückkehren, als Überträger des Virus stigmatisiert und diskriminiert, auch wenn sie keine Krankheitszeichen haben. Dies zeigt: Jetzt ist fundierte Aufklärung zu den Möglichkeiten, sich vor COVID-19 zu schützen, und zu den Übertragungswegen wichtig. Wie gut, dass wir die Task Forces haben! Sie leisten einen großartigen Beitrag.

Wenn wir die Pandemie (hoffentlich bald!) überstanden haben werden, dann wird das Nayi-Roshni-Projekt zur Verbesserung der psychischen Gesundheit noch bedeutender sein als es bisher schon war. Denn die Pandemie führt zu langfristigen psychischen Problemen.

Und noch etwas ist uns wichtig in dieser schwierigen Zeit: Jeden Tag zwischen 17 und 17:30 Uhr beten wir gemeinsam über eine Konferenzschaltung. Das gibt uns allen Kraft!

Dr. Vandana Kanth leitet das Community Health Department am Duncan Hospital in Raxaul, Bihar, Indien. Seit 2016 koordiniert sie das von Difäm Weltweit unterstützte Projekt „Nayi Roshni“ zur Verbesserung der psychischen Gesundheit im Einzugsgebiet des Krankenhauses.

In Indien wurde am 13. März 2020 der ersten Todesfall durch COVID-19 gemeldet. Seither finden in beschränktem Umfang Tests statt. Laut Information der WHO gab es am 7. April 2020 4.067 bestätigte Infektionen und 109 Todesfälle. Die Regierung versucht mit drastischen Mitteln, die Ausbreitung einzudämmen. Am 23. März wurde eine dreiwöchige landesweite Ausgangssperre für die rund 1,3 Milliarden Menschen verhängt. Nach Schließung von Fabriken, Geschäften und Baustellen in den Städten, und nachdem der Bus- und Bahnverkehr eingestellt wurden, machten sich in einer beispiellosen Panik hunderttausende Wanderarbeiter zu Fuß auf den oft viele hundert Kilometer langen Weg in ihre Heimatdörfer. Möglicherweise wurde das Virus auch auf diese Weise im Land verbreitet. Wer sich nicht an die Ausgangssperre hält, muss mit drastischen Strafen rechnen. Der indische Weg, die Corona-Pandemie im Zaum zu halten, birgt vor allem für die arme Bevölkerung Risiken. Es besteht die Gefahr, dass sie noch tiefer in die Armut geraten und dadurch sind viele vom Hunger bedroht.

Kenia: Die Wahl zwischen Mundschutz und Essen

Die Regierung Kenias betreibt aktive Aufklärung zu SARS-CoV-2: Radiosender und das Fernsehen verbreiten laufend Informationen zur Pandemie und zur aktuellen Lage in Kenia. In Englisch, Kiswahili und auch einigen Stammessprachen werden die Menschen informiert, wie sie sich vor COVID-19 schützen können und was sie gegen die Ausbreitung des Corona-Virus tun können.

Bischof Enock Z. Okonji, Christian Mission Ministry in Kenia, hat in Gemeinden in Bungoma und Nairobi ein von Difäm Weltweit unterstütztes Projekt zur Verbesserung der Gesundheit geleitet und den ASSET-Ansatz praktiziert. Beate Jakob befragte ihn zur aktuellen Situation.

Wie hat sich das Leben der Menschen in Kenia innerhalb der letzten Wochen verändert?

Bischof Okonji: Fast alle Geschäfte sind geschlossen und für diejenigen, die sich ihren Lebensunterhalt als Tagelöhner verdingen, gibt es keine Jobs mehr. Das hat gravierende Folgen, denn alle ohne geregeltes Einkommen haben über kurz oder lang kein Geld mehr für Essen und Miete.

Die Regierung hat verordnet, dass in der Öffentlichkeit alle einen Mundschutz tragen müssen. So eine Maske kostet 50 kenianische Schilling (ca. 40 Cent). Das ist für viele Menschen in den Dörfern ein Dilemma. Sie haben nun die Wahl, sich entweder eine Maske oder Essen zu kaufen. Natürlich werden sie sich fürs Essen entscheiden und dadurch eventuell sich und andere gefährden.

Und was bedeutet Corona für die Kirchengemeinden?

Auch für die Kirchengemeinden hat sich viel verändert. Die Kirchen sind geschlossen, weil Treffen größerer Gruppen verboten sind. Ich selbst bin nun seit Tagen nicht mehr aus dem Haus gegangen. Aber ich halte mit den Gemeindemitgliedern Kontakt über das Telefon, über WhatsApp und andere Kommunikationskanäle.

Wie schätzen Sie persönlich die Lage ein und was müsste getan werden?

Meine große Sorge ist, dass es bei uns zu einer explosiven Verbreitung des Corona-Virus kommen wird. Denn wie sollen etwa die Menschen in den großen kenianischen Slums Abstand halten können, wie sollen sie sich regelmäßig die Hände waschen?

Wenn irgendwie möglich, sollten die Menschen ohne geregeltes Einkommen kostenlos Mundschutz, Essen und Arzneimittel bekommen. Ob die Regierung das leisten kann, ist fraglich. Natürlich schauen die Menschen nun auch auf uns als Kirche. Wir beten für die Menschen und das Land, können aber leider nicht konkret helfen, da wir keine finanziellen Mittel haben. Wir suchen dringend nach einer Unterstützung, um hier etwas tun zu können.

Hier lesen Sie mehr über den ASSET-Ansatz des Difäm

Liberia: „Und jetzt auch noch Corona!“

Was das Team der Christian Health Association of Liberia (CHAL) gegen die Ausbreitung des Virus tut.

Jahrzehntelange Bürgerkriege; die Ebola-Epidemie 2014/2015 mit fast 5.000 Todesopfern; eine Wirtschaftskrise mit einer Inflation von etwa 30 Prozent; eine Regierung, von der die Gesundheitseinrichtungen nicht viel erwarten können; Misstrauen unter den Menschen – wie kann unter diesen Umständen die Ausbreitung des Corona-Virus aufgehalten werden?

Patricia Kamara ist Direktorin der Difäm-Partnerorganisation CHAL (Christian Health Association of Liberia), des christlichen Gesundheitsnetzwerks in Liberia. Sie ist in engem Kontakt mit dem Difäm und schildert die Lage in Liberia: „Wenn das Corona-Virus schon die europäischen Gesundheitssysteme an die Grenzen bringt, wie können wir in Liberia dann eine gesundheitliche Katastrophe verhindern? Wir wissen aus der Erfahrung mit Ebola, was gegen die Ausbreitung einer Viruserkrankung zu tun ist. Aber wie sollen Menschen, die in den Dörfern ohne Strom und Wasser leben, die Hygieneregeln einhalten?

Panische Lebensmittelkäufe

Unsere Regierung hat am 8. April 2020 den Notstand ausgerufen und eine dreiwöchige Ausgangssperre verhängt. Diese an sich sinnvolle Maßnahme versetzte die Menschen in Panik und trieb sie in großen Massen auf die Straßen und die Märkte. Denn sie mussten sich ja mit Lebensmitteln versorgen, um überleben zu können. Und gerade jetzt wird deutlich, wie wenig Vertrauen die Menschen in die Regierung und auch das Gesundheitssystem haben.

Was alles fehlt

Leider bekommen die Mitarbeitenden der Gesundheitseinrichtungen von der Regierung keinerlei Ausrüstung, mit der sie sich vor einer Infektion mit dem Corona-Virus schützen können. Und es ist kaum möglich, Schutzausrüstung wie Handschuhe, Mundschutz, Desinfektionsmittel sowie Sauerstoff lokal zu bekommen. Zudem fehlt eine einfache, in liberianischem Englisch verfasste Erklärung zu den nötigen Schutzmaßnahmen für die Gemeinden.

Erste Hilfe für unsere Einrichtungen

Mit den finanziellen Mitteln, die wir haben, konnten wir nun zunächst einmal 15 unserer 56 Mitgliedseinrichtungen mit Schutzanzügen, Handschuhen, Mundschutz und Desinfektionsmittel versorgen, fünf Krankenhäuser zusätzlich mit Sauerstoff. Des Weiteren haben 15 Gemeinden Handwaschvorrichtungen und Seife bekommen. Das ist schon mal etwas. Aber wir brauchen dringend weitere Materialien, vor allem Fieberthermometer und eine große Menge Handschuhe. Wir sind erst am Anfang…

Nach all dem, was die Menschen in Liberia in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht haben, denke ich oft: ‚Und jetzt auch noch Corona!‘ Aber mit Gott und mit der Unterstützung unserer Partner werden wir auch diese Krise meistern!“

Malawi: „In den Dörfern leben die Menschen einfach so weiter“

Dringende Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus in Malawi

Das Nkhoma Hospital, unser Partnerkrankenhaus im Lilongwe Distrikt in Malawi, bittet uns um Hilfe. Zur Versorgung von Kranken und zur Prävention von Corona-Infektionen, besonders in den Dörfern, werden dringend Gelder benötigt.

Anfang April 2020 wurden im Nkhoma Krankenhaus drei Patienten mit Verdacht auf COVID-19 aufgenommen. Für die medizinische Versorgung dieser Patienten wurde ein detaillierter Maßnahmenkatalog erstellt und seither laufen die Vorsorgemaßnahmen zum Schutz der Ausbreitung des Corona-Virus im Krankenhaus und der Aufklärung der Bevölkerung im Einzugsgebiet auf Hochtouren.

Dringende Aufklärung

Martyn Thondolo koordiniert das ASSET-Projekt in entlegenen Dörfern im Ntchisi- und Lilongwe-Distrikt. Er sieht die große Chance, die Aufklärung zu Corona mit den bestehenden Projektaktivitäten zu verbinden. Denn weil er und andere Mitarbeitende des Krankenhauses schon lange dort arbeiten, haben sie das Vertrauen der Menschen. Nur wenn dies vorhanden ist, werden Informationen angenommen und kann Verhalten geändert werden.

Martyn Thondolo war in den letzten Tagen in den ASSET-Projektdörfern. Er fragte die Menschen, was sie über die Corona-Pandemie wissen und beobachtete sie im Alltag. Während auf der Ebene der Gesundheitseinrichtungen Aufklärung stattgefunden hat und die Präventionsmaßnahmen gut umgesetzt werden, besteht, so Martyn Thondolo, an der Basis ein „kompletter Informationsmangel“. Ein Dorfältester meinte, er habe im Radio gehört, das Corona-Virus übertrage eine tödliche Erkrankung, aber genauere Informationen habe er noch nicht bekommen.

Dementsprechend haben die Menschen ihr Verhalten bislang überhaupt nicht geändert. Martyn Thondolo äußert sich besorgt: „In den Dörfern leben die Menschen einfach so weiter. Die Märkte sind nach wie vor überfüllt, man trifft sich in großer Zahl bei Beerdigungen und sportlichen Veranstaltungen, man schüttelt die Hände und das Waschen der Hände wird überhaupt nicht praktiziert.“

Gefährliche Vorstellungen

Weil in den Dörfern noch keinerlei Aufklärung stattgefunden hat, verbreiten sich Mythen zu Corona und COVID-19 mit großer Geschwindigkeit. Gefragt, was sie über das Virus und COVID-19 wissen, antworten die Frauen und Männer beispielsweise folgendes:

  • Das ist eine Erkrankung von Europäern, Chinesen und Indern.
  • Im Körper von dunkelhäutigen afrikanischen Menschen kann das Virus nicht überleben.
  • Der Ausbruch der Erkrankung ist die Erfüllung einer endzeitlichen Prophezeiung und tritt an die Stelle von HIV und Aids.
  • Gott schickte Corona, um die Menschen in den mächtigen und reichen Ländern daran zu erinnern, dass er stärker ist als ihre Macht und ihr Wissen.
  • Ein Aufguss aus Knoblauch, Zitrone, Moringablättern und Pfeffer schützt vor einer Infektion.
  • Statt Seife können wir ebenso gut Asche zum Waschen der Hände verwenden.

„Um eine massive Verbreitung des Virus in den Dörfern zu verhindern, müssen wir schnell handeln. Wir dürfen keine Zeit verlieren, auch über die Osterfeiertage muss Aufklärung stattfinden,“ resümiert Martyn Thondolo und bittet um unsere Unterstützung.

Zur Umsetzung der Maßnahmen zur Corona-Prävention durch das Nkhoma Krankenhaus, insbesondere der Aufklärung in den ASSET-Projektdörfern, hat das Difäm sofortige Hilfsgelder in Höhe von 4.500 Euro bewilligt. Sie können die Maßnahmen mit einer Spende unterstützen: Link zum Spendenformular

Erfahren Sie hier mehr über das ASSET-Projekt

Das Difäm – auch lokal in Tübingen aktiv

Aufbau und Mitarbeit in der Fieberambulanz in Tübingen

In Tübingen unterstützt Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider die Fieberambulanz. Hier fließen jahrzehntelange Erfahrungen aus der Arbeit in afrikanischen Epidemie-Gebieten mit ein.

Die Fieberambulanz in Tübingen

Am 23. März öffnete auf dem Tübinger Festplatz am Rande der Stadt die „Fieberambulanz“ – ein Versorgungszentrum für Corona-Verdachtsfälle direkt beim Corona-Test-Drive-In. Das Difäm baute die Ambulanz mit auf, die vom DRK-Kreisverband Tübingen zusammen mit dem Landratsamt und der...

In Tübingen unterstützt Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider die Fieberambulanz. Hier fließen jahrzehntelange Erfahrungen aus der Arbeit in afrikanischen Epidemie-Gebieten mit ein.

Die Fieberambulanz in Tübingen

Am 23. März öffnete auf dem Tübinger Festplatz am Rande der Stadt die „Fieberambulanz“ – ein Versorgungszentrum für Corona-Verdachtsfälle direkt beim Corona-Test-Drive-In. Das Difäm baute die Ambulanz mit auf, die vom DRK-Kreisverband Tübingen zusammen mit dem Landratsamt und der kassenärztlichen Vereinigung betrieben wird. Seitdem arbeitet Difäm-Direktorin Gisela Schneider als Ärztin direkt vor Ort mit.  

Anfänglich bestand eine Drive-In-Teststrecke für Corona-Abstriche in begründeten Fällen. Bald wurde aber deutlich, dass viele der Betroffenen mit Krankheitssymptomen ärztliche Behandlung brauchten. In Hausarztpraxen wäre das Infektionsrisiko für Mitarbeitende und andere Patienten zu hoch gewesen, also musste eine Alternative geschaffen werden.

So wurde ein Diagnose- und Behandlungszentrum als Anlaufstelle für Menschen mit Symptomen an den Atemwegen oder Fieber aufgebaut. Bei der Errichtung der Containerlandschaft für die Fieberambulanz setzte man auf die Erfahrung des Difäm im Kampf gegen Epidemien in afrikanischen Ländern. Mit Know-how aus jahrelanger Erfahrung organisierte Gisela Schneider den Aufbau. „Wir haben hier eine Gesundheitsstation aufgebaut, wie wir sie aus afrikanischen Ländern kennen“, berichtet sie. Behandlungs- und Versorgungscontainer wurden so eingerichtet, dass eine gute Patientenbehandlung bei effektivem Infektionsschutz für die Mitarbeitenden möglich ist. 

Gewissheit und Dankbarkeit

"Die Ambulanz läuft gut", erzählt Gisela Schneider. "Die Menschen sind dankbar, dass sie einen Arzt aufsuchen können, untersucht werden und Klarheit über eine mögliche Erkrankung und die weitere Behandlung erhalten." Diensthabende Ärzte in Praxen seien froh, dass sie Patienten mit Verdacht auf Corona direkt in die Fieberambulanz schicken können und dort eine Abklärung stattfinden kann. Die Kliniken berichten, dass so der Strom von Patienten, für die keine stationäre Behandlung nötig ist, aufgefangen werden kann. In der ersten Woche wurden insgesamt 335 Patienten in der Fieberambulanz gescreent und behandelt mit deutlich steigender Tendenz.

Umstände wie in Afrika

Beim Infektionsschutz arbeitet die Fieberambulanz nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, stößt dabei aber immer wieder auf Lieferengpässe. "Es ist erstaunlich, dass wir um alles kämpfen müssen: Handschuhe, Mundschutz, etc.", so Gisela Schneider. "Es ist genauso wie in Afrika. Die Ressourcen sind knapp und unser Land hat wohl noch nie eine solche Epidemie erlebt." So gibt es keine klaren Wege und man muss sich kreativ helfen. Schutzkittel, die täglich gewaschen und getrocknet werden, sichern die Schutzkleidung aller Beteiligten. Wie in anderen Krankenhäusern und Praxen ist der Kampf um Schutzausrüstung und Desinfektionsmittel täglich neu spürbar. Dennoch ist es bisher gelungen, alle Mitarbeitenden entsprechend auszurüsten.

Gemeinsam für die Bürger da

Die Fieberambulanz arbeitet mit einem Team aus mehr als 20 Ärztinnen und Ärzten sowie 20 Medizinstudierenden. Jeweils zwei der Mediziner arbeiten pro Schicht und werden von Medizinstudierenden aus Tübingen und einer medizinischen Fachangestellten unterstützt. Alle bekommen anfangs eine Schulung im Infektionsschutz und werden in die Abläufe eingeführt. Außerdem wird das Team verstärkt durch medizinische Fachangestellte, die sich um die Anmeldung und Abrechnung kümmern. Für jeden Patienten wird eigens eine Akte angelegt, die beim Patienten verbleibt und die Kommunikation zwischen niedergelassenen Ärzten, Kliniken und der Fieberambulanz sichert.

Das bringt die Fieberambulanz

Im lokalen Umgang mit der Corona-Pandemie kann die Fieberambulanz in Tübingen folgenden Beitrag leisten:

  • Die Testkapazitäten werden gestärkt und es wird sichergestellt, dass Menschen nicht nur einen Abstrich, sondern auch eine entsprechende ärztliche Beratung bekommen.
  • Menschen mit COVID-19 bekommen eine Untersuchung und Patienten, die eine stationäre Behandlung brauchen, können diese schnell und zielsicher erreichen.
  • Die Hausarztpraxen werden vor infektiösen Patienten geschützt und können somit ihre Regelversorgung sicherstellen.
  • Die Kliniken werden von unnötigen Besuchen von Patienten in der Notaufnahme entlastet.
  • Es wird ein Link geschaffen zwischen Teststelle, Klinik und Hausarztpraxis.
  • Bei guter Versorgung der COVID-19-Fälle stärkt die Ambulanz auch die Prävention, denn Patienten erfahren, wie sie sich und ihre Kontakte schützen können.
  • Die Ambulanz trägt zu einem besseren Verständnis von COVID-19 bei und kann Angst mindern und zu rationalem Präventionsverhalten beitragen.

Gesundheit lokal und weltweit

"Bei allem Einsatz in der Tübinger Fieberambulanz habe ich die Lage in Afrika stets im Blick. Beim Difäm arbeiten wir – auch auf die räumliche Distanz – mit unseren Partnern in Afrika eng zusammen, um sie für den Umgang mit dem Coronavirus zu rüsten", erklärt Gisela Schneider.

plusmoins

Artikel und Interviews zur Difäm-Arbeit im Kampf gegen Corona

Interview mit Dr. Gisela Schneider über den weltweiten Kampf gegen Corona

Interview mit Dr. Gisela Schneider über die Tübinger Fieberambulanz

In diesem Interview spricht Difäm-Direktorin Dr. Gisela Schneider über die Fieberambulanz in Tübingen. Das Video ist auf dem Kanal der Core Facility Medientechnik Medizin in Tübingen (CoMMT) des Instituts für Klinische Anatomie und Zellanalytik der Universität Tübingen abrufbar:

Hier geht es zum Interview

26.03.2020 | Covid 19 in Afrika | Weltsichten

„Es wird kein zweites Italien geben“

Gisela Schneider erklärt, was die Coronakrise für Afrika bedeutet und warum es Anlass zur Hoffnung gibt.

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Kontakt

Dr. med. Gisela Schneider
Dr. med. Gisela Schneider Direktorin Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071 7049017 Fax: 07071 7049039 schneider@difaem.de

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