Zugang zu Medikamenten

Die meisten Krankheiten sind heute behandelbar. Dennoch sterben Millionen Menschen, weil lebenswichtige Medikamente auch heute in vielen Regionen nicht verfügbar sind. Die vorhandenen Arzneimittel können sich die Menschen meist nicht leisten. In vielen Gesundheitseinrichtungen fehlen zudem pharmazeutische und medizinische Fachkräfte. Die Fachstelle für Pharmazeutische Entwicklungszusammenarbeit des Difäm setzt sich deshalb für eine umfassende Versorgung mit wichtigen Arzneimitteln und die Stärkung pharmazeutischer Strukturen vor Ort ein.

Versorgung mit Medikamenten

Versorgung mit wichtigen Medikamenten

Eine Apotheke in Tansania
Eine Apotheke in Tansania

Medikamente sind unverzichtbar in jedem Gesundheitssystem. Ob Universitätskrankenhaus oder Dorfklinik – keine Gesundheitseinrichtung ist ohne wichtige Medikamenten handlungsfähig. Schon im Rahmen des Primary Health-Konzepts von Alma Ata, spielte die Versorgung mit Medikamenten eine wichtige Rolle, auch bei den Millennium-Entwicklungsziele der UN ist es ein zentrales Thema. Wenn wir heute von Universal Health Coverage sprechen, sind essentielle Medikamente ebenfalls auf der Agenda.

Im Laufe der letzten drei Jahrzehnte hat sich in manches in der Medikamentenversorgung verbessert: Viele Menschen haben Zugang zu wirksamen Medikamenten bekommen. Doch eine dauerhafte und flächendeckende Versorgung für alle Menschen liegt noch in weiter Ferne. Immer noch ist es schwierig die Beschaffung von Medikamenten bis in periphere Gesundheitseinrichtungen sicherzustellen. So liegt die Zugangsquote für notwendige Medikamente in Ländern Afrikas südlich der Sahara immer noch bei nur etwa 50 Prozent.

Die notwendigen Präparate flächendeckend überall bereit zu stellen, das Wissen um deren richtigen Gebrauch verfügbar zu machen – das hat Vorrang heute. Die Difäm-Fachstelle für Pharmazeutische Entwicklungszusammenarbeit hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Verfügbarkeit in den Einrichtungen unserer Partner zu steigern und ihr Personal in der Dosierung, Lagerung und Qualitätsprüfung zu schulen. Zum anderen helfen wir mit, dass diese Präparate und Produkte in den kirchlichen Zentralapotheken immer, günstig und in guter Qualität zur Verfügung stehen.

WHO-Liste wichtiger Medikamente

Die richtige Auswahl der Medikamente ist wichtig. Tausende Arzneimittel werden weltweit verschrieben, gekauft und eingenommen, obwohl ihre Wirksamkeit umstritten, die Nebenwirkungen und die Kosten im Vergleich zu Alternativen zu hoch sind oder die Qualität zu wünschen übrig lässt. Nicht nur im fernen Afrika oder Asien – auch bei uns.

Die Weltgesundheitsorganisation entwickelte bereits im Jahre 1992 das Konzept der unentbehrlichen Medikamente, zu denen heute 360 Arzneistoffe zählen. Dieses gilt weltweit und umfasst auch HIV- und Aids-Präparate, Zytostatika und modernere Antibiotika. Aber nicht alle Präparate sind überall sinnvoll – in einer Dorfklinik (ohne Arzt, ohne Labor) kommt man mit 10 bis 15 Medikamenten aus.
Die WHO und UNICEF gehen noch einen Schritt weiter: Mit wie vielen Präparaten können die fünf Krankheiten sinnvoll behandelt werden, an denen die Mütter während der Geburt  und die meisten Kleinkinder sterben? Sie kamen auf 30 Präparate und einige medizinische Bedarfsartikel.

Qualitätssicherung von Medikamenten

Die Sicherung der Qualität dieser Medikamente ist uns dabei wichtig. In vielen Ländern Afrikas sind Arzneimittel minderer Qualität oder gänzlich ohne entsprechende Wirkstoffe im Umlauf.
Für die Qualitätssicherung von Medikamenten statten wir unsere Projektpartner mit mobilen Minilaboren aus und schulen sie in deren Handhabung. Daneben unterstützen wir ein zertifiziertes Prüflabor in Kenia, die Einrichtung entsprechender Labore in weiteren Ländern und die Überprüfung der Lieferanten.

Mit dem 'Minilab-Netzwerk' und deren Mitgliedern aus mehreren Ländern hat das Difäm international viel Anerkennung erlangt. Gelang es doch, dadurch inzwischen fast zehn Medikamentenfälschungen aufzudecken. Aber große Anstrengungen sind nötig, beispielsweise die hohen Kosten für die Bestätigungstests aufzubringen.

Fälschern auf der Spur

Straßenverkauf von Medikamenten
Straßenverkauf von Medikamenten

Immer mehr gefälschte oder Medikamente in minderer Qualität kommen auf den Markt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass zehn Prozent aller Medikamente weltweit Plagiate sind, in Afrika sogar jedes zweite Präparat, das in kleinen „Apotheken“ verkauft wird. Partner des Difäm in Kamerun und in der Demokratischen Republik Kongo haben mit Hilfe des Minilabs im vergangenen Jahr Medikamentenfälschungen aufdecken können. Albert Petersen, Leiter der Difäm-Fachstelle für Pharmazeutische Entwicklungszusammenarbeit, im Gespräch.

Herr Petersen, was ist seit der Aufdeckung der Fälschungen passiert?
Zum einen haben wir gemeinsam mit unseren Partnern alle uns bekannten Behörden und Gesundheitseinrichtungen in Kamerun gewarnt. Gleichzeitig wurde auch die WHO informiert, die von vier der sechs durch uns identifizierten Fälschungen noch nichts wusste. Das Difäm hat Bestätigungstests eingeleitet, mit deren Zertifikaten die WHO dann diese Fälle offiziell machen konnte. Gleichzeitig hat sie die Kontrollbehörden in den Ländern informiert und gewarnt. Die WHO ist dabei, eine Datenbank für Medikamente mit verminderter Qualität und gefälschte Präparate einzurichten. Außerdem hat die WHO in einigen Ländern Kontaktpersonen geschult, die die regionale Bekämpfung von Fälschungen koordinieren sollen. Außerdem ist sie mit den Herstellern, die von Fälschungen betroffen sind, im Gespräch, damit diese selbst bessere Kontroll- und Warnsysteme entwickeln.

Wer trägt bei Fälschungen die Verantwortung?
Zum einen natürlich die Kriminellen, die Präparate fälschen oder mit Absicht in schlechter Qualität auf den Markt bringen. Dann aber auch diejenigen, die bewusst damit handeln. Auch Regierungen sind verantwortlich, wenn sie die Kontrollbehörden in ihren Ländern mit zu wenig Personal und Equipment ausgestatten. Und schließlich trägt die Weltgemeinschaft Verantwortung, weil sie es zulässt, dass lebensrettende Medikamente ein Handelsgut sind, mit dem sehr viel Geld verdient werden kann.

Welche Medikamente werden am häufigsten gefälscht?
In unseren Fällen waren es Malariapräparate und Antibiotika. Es wird aber alles gefälscht, von Generika bis zu den Originalpräparaten, von teuren Krebsmedikamenten bis zu günstigem Paracetamol. Bei einigen von uns aufgedeckten Fällen hatten die Fälscher versucht, eine gewisse Qualität durch den äußerlichen Bezug zu Europa vorzutäuschen: Ein Präparat stammte laut Etikett aus einem WHO-Programm und soll in der Schweiz hergestellt worden sein. Die genannte Schweizer Firma bekundete dem Difäm aber, dieses Präparat seit 15 Jahren nicht mehr hergestellt zu haben. In einem anderen Fall im Kongo kam der Hersteller laut Etikett aus den Niederlanden. Dort gab es aber gar keine Firma unter dem entsprechenden Namen.

Woher kommen die Fälschungen?
Das ist leider meist nicht bekannt. Selten werden an den Grenzen Sendungen mit gefälschten Präparaten sichergestellt. Diese sind dann teils in Handyhüllen verpackt  oder in großen Trommeln mit der Aufschrift ‚stark gesundheitsgefährdende Substanz‘. Es ist oft nicht leicht, Fälschungen überhaupt zu erkennen. Alles hängt von der Aufmerksamkeit des Fachpersonals ab.

Wieso treten Fälschungen vermehrt in afrikanischen Ländern auf?
Die Kontrollbehörden sind dort oft unterbesetzt. Kontrolleure verdienen zu wenig und sind dadurch anfällig für Korruption. Sehr oft fehlt auch das nötige Equipment, um Präparate analysieren zu können. Aber auch in Europa und USA tauchen verstärkt Fälschungen auf. Erst kürzlich wurden in England 2,1 Millionen Packungen eines Blutgerinnungshemmers mit reduziertem Wirkstoffgehalt entdeckt. 700.000 Packungen waren schon ausgegeben worden. Auch in deutschen Apotheken wurden gefälschte Präparate gefunden. Ein großes Problem sind nicht zertifizierte Internetapotheken. Über sie gelangen Präparate in minderer Qualität oder Totalfälschungen an die Patienten.

Was sind die Folgen einer Behandlung mit gefälschten Arzneimitteln?
Ein Präparat ohne Wirkstoff kann keine Krankheit heilen. Ein Malaria-Patient, der ein wirkungsloses Medikament bekommt, kann sterben. Präparate mit deutlich reduziertem Wirkstoffgehalt oder mit nicht ausreichender Löslichkeit (beides wurde durch das Difäm mehrfach aufgedeckt) wirken nur unzureichend. Unterdosierung bei Antibiotika kann zu Resistenzbildung führen. Und beigefügte Fremdsubstanzen können starke Nebenwirkungen haben, an den Menschen auch schon gestorben sind.

Wie können sich Bewohner vor Ort, Mitarbeitende der Entwicklungszusammenarbeit und Touristen schützen?
Grundsätzlich sollten Medikamente nur in offiziell registrierten Apotheken gekauft werden. In ärmeren Ländern ist das aber für viele Patienten nicht möglich. In einer offiziellen Apotheke kostet die Malariatablette oft zehn Mal mehr als beim Straßenhändler um die Ecke. Auch die vielen kleinen Dorfkliniken fernab größerer Städte sind noch auf private Medikamentenhändler angewiesen. Reisende aus unseren Ländern sollten vor allem Präparate zur Malariavorbeugung und -behandlung nicht vor Ort kaufen.

Was können Apotheker tun?   
In der Regel gehört es zur Ausbildung, äußere Hinweise auf ein problematisches Präparat entdecken zu können. Auch wissen Fachkräfte, wie sie Medikamente aus sicheren Quellen beziehen können und was ein Analysenzertifikat bedeutet. Allerdings ist kein Berufsstand frei von Korruption. Das haben ja auch Fälle in Deutschland gezeigt.

Wie unterstützt das Difäm seine Projektpartner in Afrika?
Wir betreuen und beraten die Einrichtungen weiterhin, die von uns bereits ein Minilab bekommen haben. Auch stellen wir ihnen Chemikalien oder Tabletten mit gesicherter Qualität als Vergleichsstandards bereit. Zudem organisieren und finanzieren wir die Bestätigungstests durch ein WHO-zertifizierte, kirchliches Labor in Kenia oder in Deutschland. Das Difäm ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Projektpartnern und der WHO, den regionalen Behörden und den Arzneimittelherstellern. Wir machen die mobilen Labore auf internationaler Ebene bekannt und fördern den Austausch untereinander. So haben wir zwei im Minilab erfahrene Apotheker aus Kamerun nach Ostkongo und Indien geschickt, um dort neue Betreiber zu schulen. Wir begleiten diesen Süd-Süd-Austausch aktiv und schaffen ein Bewusstsein für das Thema Qualität von Medikamenten bei Gesundheitspersonal und Patienten.

Helfen Sie mit!

Mit Ihrer Spende sorgen wir dafür, dass Menschen in armen Ländern die Medikamente und medizinische Versorgung erhalten können, die sie benötigen.

  • 10 Euro bezahlen Wurmbehandlung für 150 Menschen
  • 30 Euro tragen zur Medikamentenanalyse bei
  • 100 Euro statten eine kleine Gesundheitsstation in Afrika für drei Monate mit wichtigen Basismedikamenten aus.

Kontakt

Albert Petersen
Albert Petersen Leitung Pharmazeutische Projektarbeit Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071 7049013 Fax: 07071 7049039 petersen.amh@difaem.de

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