Gesundheit schafft Zukunft

Weltweit sterben viele Menschen, weil die nächste Gesundheitsstation zu weit entfernt ist, weil es kein medizinisches Personal gibt oder lebensnotwendige Medikamente fehlen. Das Difäm setzt sich deshalb seit über 100 Jahren für eine bessere Gesundheitsversorgung in wirtschaftlich armen Ländern und Regionen ein, vor allem für benachteiligte Menschen. Denn nur wer gesund ist, kann arbeiten, seine Familie ernähren, sich um seine Kinder kümmern und aktiver Teil seiner Gesellschaft sein.

Unsere Gesundheitsthemen

Nachhaltiges Entwicklungsziel: Gesundheit

SDG 3 fordert die "Sicherstellung eines gesunden Lebens und Förderung des Wohlergehens aller Menschen jeden Alters"
SDG 3 fordert die "Sicherstellung eines gesunden Lebens und Förderung des Wohlergehens aller Menschen jeden Alters"

Die neue Entwicklungs- und Nachhaltigkeits-Agenda ist das Ergebnis des bisher längsten Beratungsprozesses der Vereinten Nationen. In der Post-2015-Agenda werden 17 nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SGDs) formuliert, welche die bisherigen acht Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) ablösen und bis 2030 gelten sollen.

Es ist unbestritten: Die Arbeit an den MDGs hat zu kaum für möglich gehaltenen Fortschritten in der globalen Entwicklung geführt. So haben heute...

Die neue Entwicklungs- und Nachhaltigkeits-Agenda ist das Ergebnis des bisher längsten Beratungsprozesses der Vereinten Nationen. In der Post-2015-Agenda werden 17 nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SGDs) formuliert, welche die bisherigen acht Millennium-Entwicklungsziele (MDGs) ablösen und bis 2030 gelten sollen.

Es ist unbestritten: Die Arbeit an den MDGs hat zu kaum für möglich gehaltenen Fortschritten in der globalen Entwicklung geführt. So haben heute beispielsweise viel mehr Menschen Zugang zu Medikamenten gegen HIV, zu einer Malaria-Therapie oder zu Moskitonetzen. Dennoch gibt es Kritik. Nur wenige Länder werden die MDGs tatsächlich erreichen. Die gesetzten Ziele sind außerdem zu selektiv. Im Gesundheitsbereich beziehen sie sich zum Beispiel auf sehr spezifische Krankheiten oder die Mütter- und Kindersterblichkeit. Das hatte zwar den Vorteil, dass Ergebnisse gut messbar sind, die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Dimensionen der Nachhaltigkeit wurden aber nicht berücksichtigt. Außerdem waren die MDGs nicht auf die Industrienationen bezogen.

Die Post-2015-Agenda ist ein Katalog von 17 Zielen (SDGs) und 169 Unterzielen in den Bereichen Entwicklung und Nachhaltigkeit. SDG 3 bezieht sich auf den Gesundheitsbereich und fordert die „Sicherstellung eines gesunden Lebens und Förderung des Wohlergehens aller Menschen jeden Alters“. Diesem allgemeinen Ziel sind neun Unterziele zugeordnet. Obenan steht die weitere Senkung der Mütter- und Kindersterblichkeit. Neben Aids, Malaria und Tuberkulose sind nun auch andere infektiöse Erkrankungen aufgenommen, die zum Beispiel auf verunreinigtes Wasser zurückgehen. Auch nicht übertragbare Erkrankungen sowie psychische Erkrankungenstehen neu auf der Agenda. Schließlich werden noch Krankheits- und Todesursachen wie Alkohol- und Drogenmissbrauch, Verkehrsunfälle, Wasser- und Luftverschmutzung sowie der fehlende Zugang zur reproduktiven Gesundheit adressiert.

Eines der Unterziele von SDG 3 fordert den Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Menschen (Universal Health Coverage). Das beinhaltet neben einer guten Gesundheitsversorgung auch das Ziel, dass Menschen nicht mehr durch Krankheit in die Armutsfalle geraten. Dafür braucht es neue Finanzierungssysteme. Die Gesundheitssystemstärkung muss eine hohe Priorität bekommen. Dies umso mehr, nachdem die Ebola-Epidemie uns die katastrophalen Folgen schwacher Gesundheitssysteme vor Augen geführt hat.

Auch in den anderen 16 SDGs sind wichtige Bedingungen für Gesundheit formuliert: Bekämpfung von Armut und Hunger, Geschlechtergerechtigkeit, Verbesserung der Sanitärversorgung, der Hygiene und der Wohnverhältnisse, sowie die Förderung des Friedens. Dass Gesundheit eine Art Querschnittsthema in der Post-2015-Agenda geworden ist, reflektiert die Einsicht, dass Gesundheit sowohl Voraussetzung als auch Folge nachhaltiger Entwicklung ist und eng mit dem Thema weltweite Gerechtigkeit verwoben ist.

Im Vergleich zu den MDGs sind die SDGs viel breiter und komplexer. Dadurch sind die Umsetzung und die Erfolgsmessung schwieriger. Die gesundheitsbezogenen Zielekönnen können auch nicht allein durch den Gesundheitssektor erreicht werden. Gerade im Bereich der Prävention müssen das Gesundheitswesen, die Regierung und andere Akteure eng zusammenarbeiten.

Im Januar 2016 traten die SDGs in Kraft, bis 2030 sollen die Ziele erreicht sein. Ziele und Unterziele sind ausformuliert. Nur die Kennzahlen (Indikatoren), an denen die Fortschritte gemessen werden sollen, stehen noch nicht fest. Das Difäm verfolgt diesen Prozess intensiv und bringt sich über die AG Gesundheit des Verbandes Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen (VENRO) in die Diskussionen ein.

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Das Gesundheitsziel und seine Unterziele

Sicherstellung eines gesunden Lebens und Förderung des Wohlbefindens für alle Menschen jedes Alters:

  • 3.1 Bis 2030 die weltweite Müttersterblichkeit auf unter 70 je 100.000 Lebendgeburten senken
  • 3.2 Den vermeidbaren Todesfällen bei Neugeborenen und Kindern unter 5 Jahren ein Ende setzen, mit dem von allen Ländern zu verfolgenden Ziel, die Sterblichkeit bei Neugeborenen mindestens auf 12 je 1.000 Lebendgeburten und bei Kindern unter 5 Jahren mindestens auf 25 je 1.000 Lebendgeburten zu senken

 

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Sicherstellung eines gesunden Lebens und Förderung des Wohlbefindens für alle Menschen jedes Alters:

  • 3.1 Bis 2030 die weltweite Müttersterblichkeit auf unter 70 je 100.000 Lebendgeburten senken
  • 3.2 Den vermeidbaren Todesfällen bei Neugeborenen und Kindern unter 5 Jahren ein Ende setzen, mit dem von allen Ländern zu verfolgenden Ziel, die Sterblichkeit bei Neugeborenen mindestens auf 12 je 1.000 Lebendgeburten und bei Kindern unter 5 Jahren mindestens auf 25 je 1.000 Lebendgeburten zu senken

 

 

  • 3.3 Bis 2030 die Aids-, Tuberkulose- und Malariaepidemien und die vernachlässigten Tropenkrankheiten beseitigen und Hepatitis, durch Wasser übertragene Krankheiten und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen
  • 3.4 Die Frühsterblichkeit aufgrund von nichtübertragbaren Krankheiten durch Prävention und Behandlung um ein Drittel senken und die psychische Gesundheit und das Wohlergehen fördern
  • 3.5 Die Prävention und Behandlung des Substanzmissbrauchs, namentlich des Suchtstoffmissbrauchs und des schädlichen Gebrauchs von Alkohol, verstärken
  • 3.6 Bis 2020 die Zahl der Todesfälle und Verletzungen infolge von Verkehrsunfällen weltweit halbieren
  • 3.7 Bis 2030 den allgemeinen Zugang zu sexual- und reproduktionsmedizinischer Versorgung, einschließlich Familienplanung, Information und Aufklärung, und die Einbeziehung der reproduktiven Gesundheit in nationale Strategien und Programme gewährleisten
  • 3.8 Die allgemeine Gesundheitsversorgung, einschließlich der Absicherung gegen finanzielle Risiken, den Zugang zu hochwertigen grundlegenden Gesundheitsdiensten und den Zugang zu sicheren, wirksamen, hochwertigen und bezahlbaren unentbehrlichen Arzneimitteln und Impfstoffen für alle erreichen
  • 3.9 Bis 2030 die Zahl der Todesfälle und Erkrankungen aufgrund gefährlicher Chemika-lien und der Verschmutzung und Verunreinigung von Luft, Wasser und Boden erheblich verringern
  • 3.a Die Durchführung des Rahmenübereinkommens der Weltgesundheitsorganisation zur Eindämmung des Tabakgebrauchs in allen Ländern in geeigneter Weise stärken
  • 3.b Forschung und Entwicklung zu Impfstoffen und Medikamenten für übertragbare und nichtübertragbare Krankheiten, von denen hauptsächlich Entwicklungsländer betroffen sind, unterstützen, den Zugang zu bezahlbaren unentbehrlichen Arzneimitteln und Impf-stoffen gewährleisten, im Einklang mit der Erklärung von Doha über das TRIPS-Übereinkommen und die öffentliche Gesundheit, die das Recht der Entwicklungsländer bekräftigt, die Bestimmungen in dem Übereinkommen über handelsbezogene Aspekte der Rechte des geistigen Eigentums über Flexibilitäten zum Schutz der öffentlichen Gesundheit voll auszuschöpfen, und insbesondere den Zugang zu Medikamenten für alle zu gewährleisten
  • 3.c Die Gesundheitsfinanzierung und die Rekrutierung, Aus- und Weiterbildung und Bindung von Gesundheitsfachkräften in den Entwicklungsländern und insbesondere in den am wenigsten entwickelten Ländern und den kleinen Inselentwicklungsländern deutlich erhöhen
  • 3.d Die Kapazitäten aller Länder, insbesondere der Entwicklungsländer, in den Bereichen Frühwarnung, Risikominderung und Management nationaler und globaler Gesundheitsrisiken stärken

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Unsere Schwerpunktthemen

Vorsorgeuntersuchung im Südsudan
Vorsorgeuntersuchung im Südsudan

Projektarbeit
Als Organisation für weltweite christliche Gesundheit beraten und begleiten wir unsere Partner in Deutschland und in wirtschaftlich armen Ländern bei ihrer Gesundheitsarbeit und fördern Projekte auch finanziell. Mit unserer langjährigen Erfahrung und unserem Fachwissen unterstützen wir Gesundheitsprogramme bei der Planung, Durchführung und Wirkungsbeobachtung. Dabei ist uns eine enge und kontinuierliche Zusammenarbeit mit unseren lokalen Partnern wichtig.  

 

Stärkung lokaler Gesundheitssysteme
Unsere Arbeit verbessert die Gesundheit benachteiligter, gefährdeter und bedürftiger Menschen und zielt auf den Aufbau und die Stärkung lokaler Gesundheitssysteme, die in vielen Ländern von den Kirchen getragen werden, vor allem in schwer zugänglichen Regionen. Dazu gehört auch die qualifizierte Aus- und Weiterbildung einheimischer Fachkräfte. Dabei fördern wir besonders die Bereiche klinische Versorgung von Patienten, Aufbau von Gesundheits-strukturen inklusive der Versorgung von Medikamenten, Qualitätssicherung und des Projektmanagements.

Basisgesundheitsversorgung - Gemeinsam stark
Die aktive Beteiligung der Menschen vor Ort und der Aufbau einer Basisgesundheits-versorgung sind bei unseren Projekten von besonderer Bedeutung.

Prävention und Behandlung - Für ein gesundes Leben
Prävention und Behandlung von Infektionskrankheiten, insbesondere HIV und Aids, sowie nicht übertragbarer chronischer und vernachlässigter Krankheiten sind Schwerpunkte unserer Arbeit. Ebenso fördern wir die Gesundheit von Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt.

Zugang zu Medikamenten
Immer noch haben Millionen von Menschen keinen Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten. Die Difäm-Arzneimittelhilfe unterstützt den Aufbau von Zentralapotheken in den jeweiligen Ländern. Wenn möglich werden Medikamente lokal oder regional eingekauft eingekauft. Wir unterstützen regelmäßige Qualitätskontrollen von Medikamenten und beraten lokale Projektpartner und Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit beim Aufbau lokaler Versorgungsstrukturen.

Unsere Schwerpunktländer

Schwerpunktländer sind die Demokratische Republik Kongo, Malawi, der Tschad, Kenia, Indien und Papua-Neuguinea.

Christliche Gesundheitsarbeit

Ganzheitlich, mitfühlend, gerecht - Christliche Gesundheitsarbeit weltweit

Christliche Gesundheitsarbeit sollte den Patienten mit seinem privaten Umfeld im Blick haben
Christliche Gesundheitsarbeit sollte den Patienten mit seinem privaten Umfeld im Blick haben, findet Alison R. Campbell.

Christliche Gesundheitsarbeit ist ein stehender Begriff, der viele verschiedene Aspekte umfasst. Was genau aber ist das Spezifische von christlicher Gesundheitsarbeit? Wir haben Konferenz-Teilnehmende aus vier verschiedenen Ländern nach ihrer Definition gefragt.

Was zeichnet christliche Gesundheitsarbeit aus?

Alison R. Campbell, Beraterin für Entwicklungszusammenarbeit auf Gemeindeebene (Großbritannien):
Vieles, was christliche Gesundheitsarbeit ausmacht, ist nicht ursprünglich christlich. Fürsorge ist eine Eigenschaft, die in jedem Menschen steckt, und wir Christen glauben, dass dies von Gott kommt. Die Heilige Schrift gibt uns den Auftrag zur Fürsorge. Das Beispiel Jesu zeigt, dass die Sorge um den Nächsten verändern und transformieren kann, dass sie Hoffnung bringt. Das christliche Markenzeichen ist ein ganzheitliches Verständnis von Fürsorge sowie beständiges Mitgefühl. Christliche Gesundheitsarbeit sollte sich nicht allein auf die medizinische Dienstleistung beschränken, sondern das Wohl des Patienten, seiner Familie und seiner Freunde im Blick haben. So kann Gesundheitsarbeit zur Entwicklung beitragen.

Elvis Simanhwa, Berater für Entwicklungszusammenarbeit auf Gemeindeebene und ehemaliger Mitarbeiter der christlichen Gesundheitsnetzwerke(Sambia):
Christliche Gesundheitsdienste zeichnen sich durch ihre Arbeits- und Denkweise aus. Es geht um Berufung, nicht allein nur um Arbeit. Durch ihren Glauben fördern Mitarbeitende in der christlichen Gesundheitsarbeit einen ganzheitlichen, auf Gerechtigkeit basierenden Ansatz von Gesundheit.

Yoas Mvula, Gesundheitskoordinator der presbyterianischen Kirche in Zentralafrika (Malawi):
Christliche Gesundheitsarbeit in Malawi geht davon aus, dass Gott heilt und dass Liebe und Fürsorge für den Kranken die Basis unserer Arbeit ist. Kranke werden in einer freundlichen und fürsorgenden Weise umsorgt, so dass sie das Gefühl vermittelt bekommen, dass sie geliebt sind.

Ronald Lalthanmawia, Leiter der Programmabteilung der Christian Medical Association (CMAI) (Indien):
Vision und Mission christlicher Gesundheitsarbeit basieren auf dem Auftrag Christi an uns zu lehren, zu predigen und zu heilen. Wir haben ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit im physischen, emotionalen, mentalen und spirituellen Sinne.

Welche Rolle spielt christliche Gesundheitsarbeit im Gesundheitssystem ihres Landes?

Alison R. Campbell:
Seitdem das nationale Gesundheitssystem mit privaten Anbietern partiell zusammenarbeitet, haben sich neue Möglichkeiten ergeben. Für mich ist dabei die Rolle von Gemeinden besonders interessant, die jetzt vermehrt professionelle und nicht-professionelle Fürsorge anbieten wie zum Beispiel Gemeindekrankenpflege. Mitglieder unserer Heilsarmeegemeinde im Süden von London machen Besuche in der Nachbarschaft und hören von den Sorgen der Menschen, die oft gesundheitlicher Natur sind. Sie versuchen konkret zu helfen und bringen Gebetsanliegen in die Gemeinde ein. So ist Versöhnung möglich geworden. Muslimische Nachbarn fühlen sich auf einmal sehr viel wohler gegenüber der Kirche und zwischen Nachbarn unterschiedlichen Glaubens wachsen freundschaftliche Beziehungen. Vor fünf Jahren haben diese Menschen aufgrund der Unterschiede nicht einmal miteinander gesprochen.

Elvis Simanhwa:
In Sambia sind christliche Gesundheitsdienste der zweitgrößte Anbieternach der öffentlichen Hand. Sie konzentrieren sich vor allem auf marginalisierte und schlecht zu erreichende Gemeinschaften. Mit der Regierung arbeiten sie zusammen und haben großen Einfluss auf die nationale Policy und die Entwicklung von neuen Strategien.

Yoas Mvula:
In Malawi geht christliche Gesundheitsarbeit auf das frühe 18. Jahrhundert zurück und bis zur Unabhängigkeit 1964 gab es nur christliche Gesundheitsdienste. Das staatliche Gesundheitssystem wurde integriert in das System, das die frühen christlichen Missionare in Malawi aufgebaut haben. Heute leisten die Kirchen 40 Prozent aller Gesundheitsdienste, besonders stark sind sie in entlegenen und unwirtlichen Gegenden vertreten, wo die Menschen arm und schutzlos sind. Die Christliche Gesundheitsorganisation in Malawi (CHAM) unterhält zwölf Gesundheitscolleges in verschiedenen Distrikten, auch in ländlichen Gegenden. Bis zu 80 Prozent aller Beschäftigten im Gesundheitswesen werden dort ausgebildet. Auch die Gemeinden spielen eine wichtige Rolle, insbesondere in ländlichen Gegenden. Vermeidbare Krankheiten wie Durchfall, Malaria und Cholera konnten durch Basisgesundheitsarbeit zurückgedrängt werden, und Menschen, die an Krebs oder an Krankheiten leiden, die bei einer HIV-Infektion auftreten können, haben auf diesem Weg Zugang zu Palliativpflege.

Ronald Lalthanmawia:
In Indien liegt Gesundheit in staatlicher Verantwortung. Programme der Zentralregierung werden von den Gesundheitsbehörden in den einzelnen Staaten umgesetzt. Christliche Gesundheitsdienste sind in die einzelnen Gesundheitssysteme integriert und hängen vom Ermessen des jeweiligen Staates ab. Grundsätzlich werden Gesundheitsprogramme nicht von Privatanbietern umgesetzt. In einigen wenigen Programmen gibt es aber Möglichkeiten der Zusammenarbeit, zum Beispiel bei der kostenlosen Behandlung von Tuberkulose. Hier sind christliche Gesundheitsdienste mitunter im Rahmen des nationalen Programms tätig. In den staatlichen Statistiken werden zu den christlichen Gesundheitsdiensten aber keine Daten erhoben.

Angenommen, es gäbe in Ihrem Land keine christliche Gesundheitsarbeit. Was würde fehlen?

Alison R. Campbell:
Ohne das christliche Ethos, würde Gesundheitsarbeit auf das Erbringen einer Dienstleistung reduziert werden. Das Augenmerk würde auf Sollvorgaben, kommerzielle Zwänge und Finanzbedarf liegen. Der Heilungsprozess würde nur noch am Ergebnis gemessen werden.

Elvis Simanhwa:
Die theologische Reflexion über Entwicklung würde fehlen. Und das würde Menschen, die am Rand der Gesellschaft oder in abgelegenen Gegenden leben, ganz dem Gutdünken von wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Zwängen überlassen.

Yoas Mvula:
Vor allem in ländlichen Gebieten hätten viele Menschen keinen Zugang zu Basisgesundheitsdiensten und viele würden an Krankheiten sterben, die leicht behandelt und geheilt werden können. Im ganzen Land würde nur noch schlecht ausgebildetes Personal arbeiten, da in Malawi 80 Prozent aller Leute, die im Gesundheitsbereich tätig sind, an christlichen Gesundheitscolleges gelernt haben.

Ronald Lalthanmawia:
In vielen ländlichen und schwer zugänglichen Gebieten in Indien würde es keine Gesundheitsdienste mehr geben.

Gesundheit als Menschenrecht

Gesundheit ist ein hohes Gut und Voraussetzung für jede Entwicklung. Als Menschenrecht wurde Gesundheit 1948 und dann 1967 im WSK Pakt definiert. „Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit“ – das gilt aber auch für Menschen mit Behinderungen und chronischen Erkrankungen. Jeder Mensch, geschaffen zum Ebenbild Gottes, ausgestattet mit Würde. Daneben sind wir als Christen aufgerufen gerade für die da zu sein, die keinen Zugang zu Gesundheit haben, die oft vergessen sind, weil sie arm sind, in abgelegenen Regionen leben oder auch aufgrund ihrer Krankheit oder anderer Ursachen ausgegrenzt werden. Das motiviert uns im Difäm, uns gerade für diese Menschen einzusetzen und mit dazu beizutragen, dass alle Menschen Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung bekommen.

Vieles ist hier in den vergangenen Jahren erreicht worden, aber immer noch sterben viele Menschen, weil die nächste Gesundheitsstation zu weit entfernt ist, weil es kein medizinisches Personal gibt oder lebensnotwendige Medikamente fehlen. Das Difäm setzt sich deshalb seit über 100 Jahren für eine bessere Gesundheitsversorgung in wirtschaftlich armen Ländern und Regionen ein, vor allem für benachteiligte Menschen. Denn nur wer gesund ist, kann arbeiten, seine Familie ernähren, sich um seine Kinder kümmern und aktiver Teil seiner Gesellschaft sein.

Partnerschaft leben

In vernachlässigten Regionen wirtschaftlich armer Länder begleiten wir christliche Gesundheitsprojekte in partnerschaftlicher Zusammenarbeit. Unterstützt werden präventive sowie kurative Maßnahmen, die umweltbezogene, lokale und kulturelle Gegebenheiten berücksichtigen. Dabei gilt das Augenmerk besonders den benachteiligten, gefährdeten und bedürftigen Menschen. Dazu gehören Mütter und Kinder, Menschen, die unter extremer Armut leiden, Personen, die mit einer HIV-Infektion leben, Menschen mit Behinderungen und vernachlässigte Personen, sowie Menschen in Krisengebieten.

Durch vielseitige und langjährige Kontakte sind Partnerschaften mit einheimischen Kirchen und kirchlichen Werken, die im Gesundheitsbereich arbeiten, gewachsen. In enger Zusammenarbeit werden Projekte dieser Partner gemeinsam entwickelt, aufgebaut und begleitet. Regelmäßiger Austausch und Besuche ermöglichen wechselseitiges Lernen und gemeinsame Entwicklungen.

Zugang zu bestmöglicher Gesundheitsversorgung zu schaffen und Gesundheitssysteme zu stärken, ist dabei ein wichtiges Ziel. Wir unterstützen unsere Partner sowohl in der von Gemeinden getragenen Gesundheitsarbeit als auch in der medizinischen Arbeit in Krankenhäusern.

Die Kirchen und die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen

Zu einer guten Gesundheitsversorgung gehören auch einfache Maßnahmen wie Händewaschen
Zu einer guten Gesundheitsversorgung gehören auch einfache Maßnahmen wie Händewaschen

Ohne die Millenniumentwicklungsziele (MDGs) wäre in den vergangenen Jahren sicherlich nicht so viel erreicht worden. Nun lösen 17 nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SGDs) die bisherigen acht Millennium-Entwicklungsziele ab. Auch die kirchlichen Organisationen und Einrichtungen werden sich mit Nachdruck für die Umsetzung der neuen Entwicklungsziele einsetzen.

Auf dem Weg zu den neuen Entwicklungszielen gab es eine kaum überschaubare Zahl von Arbeitsgruppen und Konferenzen, an denen Regierungen, Vertreter der Zivilgesellschaft und andere Akteure teilnahmen. Ein Jahr berieten Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft aus 70 Ländern in einer „offenen Arbeitsgruppe“ über die künftigen Ziele, die nachhaltig sein sollen. Sie haben Millionen von Menschen befragt, vor allem in den Ländern des Südens.

Sozial, gerecht und ökologisch - Neue Ziele

Seit Ende 2014 stehen die 17 neuen Entwicklungsziele grob fest. Wie erhofft wird Gesundheit weiterhin ein eigenständiges Ziel bleiben. Als Menschenrecht und als wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung eines Landes braucht Gesundheit besondere Beachtung. Zu den bisherigen Themen, die in modifizierter Form weiterverfolgt werden, kommen neue dazu, wie etwa faire Welthandelssysteme oder die Reduzierung der Jugendarbeitslosigkeit. In vielen Zielen ist ökologische Nachhaltigkeit integriert, um Luftverschmutzung, Abholzung der Wälder und Überfischung der Meere aufzuhalten. Soziale Ungleichheit soll als wesentliche Ursache von Armut und mangelnder Entwicklung abgebaut werden. Neu ist auch, dass die künftigen Ziele alle Staaten, und nicht mehr nur die sogenannten Entwicklungsländer, in den Blick nehmen. Deutschland wird beispielsweise nach Wegen suchen müssen, um die Inklusion von behinderten Menschen weiter zu fördern.

Die Kirchen als wichtige Akteure

Kirchliche Organisationen und Einrichtungen werden sich weiterhin mit Nachdruck für die Umsetzung der Entwicklungsziele einsetzen. Denn es gehört zur Mission der Kirchen, transformative Prozesse in den Gesellschaften anzustoßen, damit möglichst allen Menschen ein Leben in Würde möglich ist. Gelebte Solidarität und praktizierte Gerechtigkeit sind christliche Imperative. Christliche Entwicklungszusammenarbeit zeichnet sich aber auch aus durch Anwaltschaft für benachteiligte Menschen sowie einen integrativen und partizipativen Ansatz. Kirchen sind wichtige Akteure und Partner von Regierungen und Organisationen in der Umsetzung der nachhaltigen Entwicklungsziele.

Recht auf Gesundheit für Alle

Die Kirchen bekräftigen beispielsweise das Recht eines jeden Menschen auf das für ihn „erreichbare Höchstmaß an körperlicher und geistiger Gesundheit“ (Internationaler Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte). Sie setzen sich dafür ein, dass alle Staaten diesem Recht Priorität einräumen und sehen sich als Anwälte für das Recht auf Gesundheit, gerade für benachteiligte Gruppen. Sie treten ein für den universellen Zugang und eine langfristige Verbesserung von Gesundheit. In Deutschland etwa müssen die Kirchen die Bundesregierung beharrlich auffordern, ihren Beitrag zu globaler Gesundheit demjenigen anderer Industrienationen anzupassen, d.h. ihn zu verdoppeln. Kirchen und christliche Organisationen in wirtschaftlich privilegierten Ländern fördern darüber hinaus mit ihren finanziellen Möglichkeiten die Gesundheit der Menschen in ressourcenarmen Teilen der Welt.

Kirchen bieten eine weit verzweigte und verlässliche Infrastruktur, gerade in schwer zugänglichen Regionen sowie in Krisen- und Kriegsgebieten. Auch in den kommenden Jahrzehnten werden kirchliche Gesundheitseinrichtungen wesentlich zu einer guten Gesundheitsversorgung beitragen müssen, insbesondere da, wo das staatliche Gesundheitssystem noch nicht ausgebildet ist. Das Potenzial von Kirchengemeinden in der Gesundheitsförderung und der Prävention von Krankheiten sollte in Zukunft noch mehr in den Blick genommen werden.

Nachhaltigkeit: Integrativ und partizipativ

Nachhaltigkeit braucht einen integrativen Ansatz. Ein Kind, das vor seinem fünften Lebensjahr stirbt, hat nichts von einem freien Bildungssystem. Gerade dieser Ansatz, der die Post-2015-Agenda prägen soll, ist von jeher spezifisch für die christliche Gesundheitsarbeit, die den Menschen mit allen seinen Beziehungen in den Blick nimmt. Christliche Gesundheitsarbeit sieht Gesundheit im Zusammenhang mit Faktoren wie Armut, Umwelt, Klima sowie sozialen und politischen Bedingungen. Auch die spirituelle Dimension wird in der christlichen Gesundheitsarbeit berücksichtigt als Faktor, der Gesundheit positiv beeinflussen kann.

Christliche Gesundheitsarbeit denkt und handelt vom Menschen her. Jeder wird mit seinen besonderen Fähigkeiten wertgeschätzt. Anstatt von außen „versorgt“ zu werden, sollen Frauen, Männer und Jugendliche beteiligt und befähigt werden, Verantwortung zu übernehmen. So wird ein Prozess der Systemveränderung angestoßen, in dem Menschen langfristig ihre eigene Gesundheit verbessern können. In diesem Sinne plädieren die Kirchen für eine Wiederbelebung des Ansatzes der Basisgesundheitsversorgung.

Verantwortung übernehmen

Die Umsetzung nachhaltiger Entwicklungsziele erfordert das gemeinsame Denken und Handeln der Weltgemeinschaft. Kirchen und kirchliche Organisationen müssen sich daran beteiligen und sie können Wesentliches zu einer Welt beitragen, die allen Menschen gute Lebensbedingungen bietet. Wenn sie das mutig und entschieden tun, werden Staaten und Finanzgeber die kirchliche Gesundheits- bzw. Entwicklungsarbeit in ihrer Komplementarität schätzen und ihr die nötige Anerkennung und finanzielle Unterstützung zukommen lassen.

 

Bilanz der Entwicklungsziele - Kein Grund zum feiern 

2001 haben die Vereinten Nationen die acht Millenniumentwicklungsziele verabschiedet. Bis 2015 hätten sie erreicht werden sollen. Beispiellose globale und nationale Maßnahmen, gerade auch im Gesundheitsbereich, wurden ergriffen. Die Weltgemeinschaft mobilisierte erstaunliche finanzielle Mittel. Entsprechend der Zielvorgabe konnte zum Beispiel der Anteil der Menschen, die in Armut leben, halbiert werden.

Doch die Länder in Afrika südlich der Sahara, einige Länder Südasiens sowie Konfliktländer und -regionen sind bei fünf der acht Ziele noch weit von der Ziellinie entfernt. Oft verschweigen die nationalen Statistiken auch, dass es Regionen und Menschengruppen gibt, die keinen Anteil an den Fortschritten haben.

Fotos aus der weltweiten Gesundheitsarbeit

Weltweite Gesundheitsarbeit

Kontakt

Dr. med. Gisela Schneider
Dr. med. Gisela Schneider Direktorin Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071 7049017 Fax: 07071 7049039 schneider@difaem.de
Uta Kohler-Babanin
Uta Kohler-Babanin Projektkoordination Mohlstraße 26 72074 Tübingen Tel. 07071 704 9032 Fax: 07071 704 9039 babanin@difaem.de

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