Fakten – Arzneimittelversorgung
weltweit
Ein Drittel der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu essentiellen
Medikamenten.
In den armen Gegenden südlich der Sahara ist es an der Tagesordnung,
dass verschreibungspflichtige Medikamente frei zugänglich auf Märkten
und öffentlichen Plätzen verkauft werden. Aufgrund der fehlenden
Beratung werden die Medikamente häufig nicht richtig angewandt.
Über zehn Mio. Kinder sterben jährlich vor ihrem fünften
Geburtstag. Die meisten Todesfälle wären zu vermeiden, meist
mit preiswerten Interventionen oder Impfungen.
Impfstoffforschung: In den letzten 25 Jahren wurden 179 neue Mittel
gegen Herz-Kreislauferkrankungen und 111 Krebsmedikamente entwickelt.
Gegen Tuberkulose, an der jedes Jahr 1,7 Mio. Menschen sterben, wurden
im gleichen Zeitraum nur drei Medikamente entwickelt.
Die Pharmaindustrie investiert jährlich viele Milliarden Euro
in die Forschung. Aber zum größten Teil dient sie der Jagd
nach neuen Life-Style-Mitteln. Hier sind Top-Absatzmärkte garantiert.
Wichtige Forschung zur Behandlung von Tropenkrankheiten findet dagegen
kaum statt. Auf die Krankheiten, die 90 Prozent der armen Weltbevölkerung
betreffen, fallen nur zehn Prozent der Forschungsausgaben.
Von 137 Medikamenten, die im Jahr 2000 in der Entwicklung waren, sind
nur eines für Schlafkrankheit und eines gegen Malaria vorgesehen,
überhaupt keine gegen Tuberkulose und Leishmaniose. Dagegen waren
vier Arzneimittel gegen Schlafstörungen, sieben gegen Fettleibigkeit
und acht gegen Impotenz in der Forschungsphase.
Häufig werden bei Katastrophen ungeeignete oder abgelaufene Arzneimittel
gespendet, so auch bei der Tsunami-Katastrophe in Asien im Dezember 2004.
Apotheker ohne Grenzen International berichtete bereits im März 2005,
dass in Banda Aceh (Indonesien) nach dem Tsunami 75 Kubikmeter „abgelaufene
Arzneimittel“ vernichtet werden mussten.
1,6 Millionen von 6,8 Millionen, die eine Aidstherapie benötigen,
erhalten diese auch.
Mehr als 50 % der Ärzte weltweit verschreiben nicht die richtigen
Medikamente.
50 % aller Patienten nehmen die Medikamente nicht richtig ein.
In Deutschland wird jeder Arzt durchschnittlich 192-mal von einem Medikamentenvertreter
besucht. Die neuen Medikamente sind teurer, obwohl sie nicht notwendigerweise
wirksamer sind. Ein unabhängiger Experte sagt: Nur sieben von den
450 seit 1990 neu entwickelten Medikamenten eine gänzliche Neuerung
bringen, 25 eine teilweise und die restlichen 418 haben überhaupt
keinen therapeutischen Vorteil.
Eine andere Statistik zeigt, dass jährlich 300.000 Patienten in
Deutschland ins Krankenhaus eingeliefert werden aufgrund von Krankheiten,
die auf Medikamentengebrauch zurückzuführen sind.
Pharmaunternehmen geben für die Vermarktung ihrer Produkte in
den USA jährlich über 12 Milliarden US$ aus. Das ist mehr als
was insgesamt für die medizinische Ausbildung in dieser Nation ausgegeben
wird.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation sind rund zehn
Prozent aller Medikamente weltweit gefälscht. Besonders betroffen
sind wirtschaftlich arme Länder in Afrika und Asien. Von den gefälschten
Präparaten sind nur fünf Prozent perfekte Kopien. Viele der
Plagiate enthalten zu wenig Wirkstoff, was dazu führen kann, dass
Krankheiten nicht ausheilen. Die meisten Fälschungen sind allerdings
überhaupt keine Medikamente. Sie enthalten Leitungswasser, Kreide,
Mehl oder Backpulver bis hin zu gesundheitsschädlichen Substanzen.
Die Einnahme endet für die Erkrankten nicht selten tödlich.
Am häufigsten werden Antibiotika, Schmerzmittel, Vitaminpräparate
und Malariatabletten gefälscht.
In Deutschland existieren über 50.000 Arzneimittel einschließlich
aller Wirkstärken, Packungsgrößen und Darreichungsformen.
Mehr als eine Milliarde Arzneimittelpackungen werden jährlich
vom Dualen System entsorgt.
Quelle: u.a. http://www.bukopharma.de/ und aus: PROMOTING RATIONAL USE
OF
MEDICINES (eine Publikation des Weltkirchenrats)
Patente behindern den Arzneimittelzugang für alle
Wenn ein Unternehmen ein neues Produkt entwickelt hat, ist dieses im Normalfall
20 Jahre lang durch ein Patent geschützt. Es darf also nicht von
einem anderen Unternehmen in dieser Zeit nachgebaut werden.
Nachgemachte Medikamente enthalten denselben Wirkstoff, kosten aber nicht
einmal die Hälfte. So können sich viele Menschen diese Medikamente
kaufen, die sie sich sonst nie leisten könnten.
Damit man bei neu entwickelten lebensnotwendigen Medikamenten nicht 20
Jahre warten muss, können arme Länder Zwangslizenzen für
bestimmte Medikamente vergeben. Dann können diese auch schon früher
hergestellt und den armen Menschen zugänglich gemacht werden. Thailand
hat im Frühjahr 2007 für lebenswichtige Aidsmedikamente solche
Zwangslizenzen erlassen. Eine der betroffenen Arzneimittelfirmen, die
amerikanische Firma Abbott, hat angekündigt, dann überhaupt
keine neuen Medikamente mehr in Thailand zu verkaufen. So wird das Leben
unzähliger Menschen aufs Spiel gesetzt. Dagegen wehrt sich das Difäm
mit einem Appell an Ärzte/-innen, keine Vertreter dieser Firma mehr
zu empfangen und wenn möglich keine Medikamente dieser Firma mehr
zu verschreiben. So soll Abbott dazu gebracht werden, auch zukünftig
ihre Medikamente auch in Thailand zu verkaufen. Denn alle Menschen haben
ein Recht auf Zugang zu lebenswichtigen Arzneimitteln. Mehr Infos unter
http://www.difaem.de/aktuell_dateien/thailand.htm
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